Drama : "Helen" - Aus der Welt

Finster: Für Regisseurin Sandra Nettelbeck, die mit "Helen" ihren ersten englischsprachigen Film auf die Leinwand bringt, ist das Thema Depression eine Herzensangelegenheit.

Nadine Lange

Sie trägt Schwarz. Beim Joggen, zu Hause, in der Universität. Das Schwarz umfängt sie nicht nur von außen, sondern auch von innen – es senkt sich bleischwer auf ihre Seele herab. Helen (Ashley Judd) ist depressiv. Nach und nach fällt die Musik-Professorin aus ihrem heilen Upper-Class-Leben mit schickem Haus, Erfolg im Beruf und toller Familie heraus. Nach einem Selbstmordversuch lässt ihr Mann David (Goran Visnjic) sie in eine Klinik zwangseinweisen. Dort trifft sie ihre Studentin Mathilda (Lauren Lee Smith) wieder, die selbst manisch-depressiv ist. Helen hat zum ersten Mal das Gefühl, verstanden zu werden. Sie vertraut Mathilda mehr als ihrem Mann, der sie nicht einmal im Krankenhaus besucht und sich komplett überfordert zeigt. Nach ihrer Entlassung zieht sie zu Mathilda in deren Fabrik-Loft, was David eifersüchtig macht.

Für Regisseurin Sandra Nettelbeck („Bella Martha“), die mit „Helen“ ihren ersten englischsprachigen Film auf die Leinwand bringt, ist das Thema Depression eine Herzensangelegenheit: Sie hatte eine depressive Freundin, die sich 1995 nach jahrelangem Kampf gegen die Krankheit das Leben nahm. Zehn Jahre brauchte Nettelbeck, um das Geld für die Umsetzung ihres Drehbuchs zusammenzubekommen. Dementsprechend große Mühe investiert sie, ein differenziertes Bild der Krankheit und des Umgangs damit zu zeigen. Wie vehement Helen darum kämpfen muss, aus der Klinik entlassen zu werden, ist ein starker Punkt. Man kann sich leicht vorstellen, dass viele Patienten, die nicht wie die Professorin Helen über juristische Hilfe verfügen, lange und gegen ihren Willen in der Psychiatrie festgehalten werden.

Danach entfaltet „Helen“ jedoch einen Grusel, der sich nicht mehr aus den düsteren Depressionsabgründen speist, sondern aus einer verhängnisvollen Dramaturgie. Mit dem Ziel, ein hoffnungsvolles Hollywood-Ende in Gestalt einer glücklich vereinten Familie zeigen zu können, muss die Figur der Studentin Mathilda kurzerhand entsorgt werden. Wie kaltblütig Nettelbeck das inszeniert, ist erschreckend. Und dass der stets als extrem selbstbezogen dargestellte David letztlich das rettende Ufer für Helen sein soll, erscheint doch ziemlich unplausibel. Gut möglich, dass sie bald wieder die schwarzen Klamotten aus dem Schrank holt.

Cinemaxx Potsdamer Platz, Cinestar Sony-Center (OV), Kino in der Kulturbrauerei, Neue Kant-Kinos, Rollberg

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