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Falco : Ach, Amadeus!

04.06.2008 21:27 UhrVon Bodo Mrozek
FalcoBild vergrößern
Felix Austria. Sänger Falco (Manuel Rubey) liebt die Pose. - Foto: drei freunde

Der Rapper, der ein Yuppie war: Thomas Roths Biopic "Falco" feiert die Ikone der Achtziger.

Womit genau die spaßorientierten achtziger Jahre begonnen haben, ist im Nachhinein schwer zu sagen. Vielleicht mit der Erfindung des Wortes Yuppie im Mai 1980 durch einen US-Journalisten. Oder in Deutschland schon mit der Markteinführung des VW Golf Cabrio 1979? Jenseits solcher Datierungsprobleme aber bringt ein Zitat des Österreichers Hans Hölzel die Dekade postum auf den Punkt: „Wer sich an die Achtziger erinnern kann, hat sie nicht miterlebt.“ Hölzel wusste, wovon er sprach. Besser bekannt war er unter dem Pseudonym Falco.

Der Film, der das Leben des nach Wolfgang Amadeus Mozart zeitweise bekanntesten österreichischen Musikstars zu ergründen trachtet, beginnt mit dem Ende.

Ein vom Ruhm zerstörter Mann sitzt in seinem Geländewagen in der Dominikanischen Republik. Es ist der 6. Februar 1998. Auf der Straße naht mit 100 Stundenkilometern ein weißer Reisebus. In den Überresten des nur 40 Jahre alt gewordenen Musikers wird man nach dem Knall Spuren von Kokain und THC nachweisen und 1,5 Promille der Droge Alkohol. Bis heute hält sich die Selbstmordversion. „Muss ich denn sterben, um zu leben?“, hatte Falco in einem Lied wenige Jahre zuvor gefragt.

Die Versuchung, das Leben Falcos als dunklen Todesmythos zu inszenieren, ist groß, doch der Grazer Regisseur Thomas Roth widersteht ihr. Sein Kinodebüt teilt die Musikerbiografie in zwei Hälften. Die erste ist Sozialgeschichte: In warmen Farben tupft die Kamera (Jo Molitoris) das Gemälde eines versunkenen Wien auf die Leinwand. Der junge Hans Hölzel (David Haderer) wächst zwischen Blümchentapeten und Schlagermusik, Peepshows und Piaristengymnasium auf. Darüber liegt ein ewiger Braunschleier – gerade so, als dauerte die Nachkriegszeit bis in die späten siebziger Jahre.

Zu dieser Zeit tingelt Hans Hölzel mit der Chaoskapelle „Drahdiwaberl“, späten Erben des Wiener Aktionismus. Sein erster Soloauftritt ist ein Schock. Die Geburt des Falken inszeniert der Film als Bruch. Die Kamera fährt über ungläubige Gesichter des Publikums. Inmitten verspäteter Hippies, deren Kleidung noch dem ästhetischen Prinzip Flokati folgt, steht auf der Bühne ein Vertretertyp mit blendend weißem Anzug und schwarzer Sonnenbrille, die Haare ölig zurückgegelt. Sein aalglatter Auftritt nimmt den Yuppie-Stil provozierend vorweg. Falcos erster Hit „Ganz Wien (ist jetzt auf Heroin)“ darf im Radio nicht gespielt werden und erreicht prompt Kultstatus.

Falco, idealbesetzt mit dem Schauspieler und Musiker Manuel Rubey, gilt als der erste weiße Rapper. Sein Nummereins-Hit „Der Kommissar“ begründet die für ihn typische Kunstsprache aus Wienerisch, Hochdeutsch und englischen Versatzstücken. Doch der überambitionierte Musiker quält sich mit dem Schreiben. Lange wehrt er sich gegen die Zusammenarbeit mit den Hit-Komponisten Bolland & Bolland, die ihm auf Drängen seines Produzenten einen Song auf den Leib schreiben. Widerstrebend hört er sich das Demo an: „Amadeus“.

Der Titel stellt einen Weltrekord auf: Als erster deutschsprachiger Titel gelangt „Amadeus“ auf Platz eins der amerikanischen Billboard-Charts. Falco erreicht seinen Zenit. Privat zerschlägt er bereits Hotelzimmer, meist in Szenen mit seiner Frau – wobei der Film das Kapitel „Falco und die Frauen“ ganz auf die Gattin reduziert. Ein negativer Vaterschaftstest stürzt Falco in eine weitere Krise. Seine Tochter Katharina B. Vitkovic versucht soeben mit ihrer Autobiografie „Falco war mein Vater“ ein intimes Porträt des Menschen zu zeichnen, der sieben Jahre lang ihr Vater war (Ueberreuter, 192 Seiten. 19,95 Euro). Zum 10. Todestag erschien Peter Lanz’ Biografie (Ueberreuter, 255 Seiten, 19,95 Euro).

Es war stets leicht, in dem Mann mit der Sonnenbrille einen Mainstream-Musiker zu sehen, der häufig seinen Stil wechselte, um in die Hitparade zu kommen. An den „Amadeus“-Ruhm knüpfte Falco nur mit inszenierten Skandalen wie „Jeanny“ an; eine unter Pseudonym veröffentlichte Techno-Version des Gassenhauers „Der Mann mit dem Koks ist da“ schaffte es immerhin auf Platz 25 – in Deutschland. Falco verlieh dem Klischee Yuppie die Attitüde und einer ganzen Dekade die Stimme. Die Frage nach seinem disparaten Stil kennt daher nur eine gültige Antwort: Er machte die Musik des Jahrzehnts, das mit ihm erst begonnen hatte. Er war die achtziger Jahre.

Cinemaxx Potsdamer Platz, Cinestar Tegel, Cubix am Alexanderplatz, Kulturbrauerei, Titania Palast

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