"Far Cry" : Til Schweiger macht Sit-Ups

Til Schweiger, Ralf Möller und Udo Kier stehen Pate in der 30 Millionen Dollar teuren Verfilmung des Videospiels "Far Cry". Im kanadischen Vancouver bringt der für trashige Kinoadaptionen bekannte Regisseur Uwe Boll das Action-Epos auf die Leinwand.

Birgit Heidsiek[dpa]
Til Schweiger
Til Schweiger als Actionheld. -Foto: ddp

Vancouver Genussvoll lässt sich der ehemalige Elitesoldat und Bootskapitän (Til Schweiger) sein kühles Bier schmecken, nachdem er eine junge Journalistin (Emmanuelle Vaugier) auf einer abgelegen Insel abgesetzt hat. Statt dort ihren Informanten (Ralf Möller) zu treffen, wird sie jedoch sofort von einer Gruppe Söldner verhaftet. Um dabei den einzigen Zeugen auszulöschen, feuern sie eine Stinger- Rakete auf den alten Kutter ab. In letzter Sekunde kann sich der Ex-Marine mit einem Sprung über Bord retten, während sein Boot unter ohrenbetäubendem Getöse in die Luft fliegt. Mit dem 30 Millionen Dollar teuren Actionfilm "Far Cry", der mit Til Schweiger, Udo Kier, Ralf Möller und Emmanuelle Vaugier in den Hauptrollen zurzeit im kanadischen Vancouver gedreht wird, bringt der deutsche Regisseur Uwe Boll das gleichnamige Videospiel auf die Kinoleinwand.

Boll ist auf trashige Kinoadaptionen von Videospielen spezialisiert ("House of the Dead", "Alone in the Dark", "Postal"), was schon Nominierungen für Goldene Himbeeren für die schlechtesten Filme des Jahres zur Folge hatte. "Für die Bootsszene haben wir einen 40 Jahre alten Kutter gekauft und mit 200 Kilogramm Sprengstoff in die Luft gejagt", berichtet Boll. Zudem wurden für diesen Action-Stunt Teile vom Boot präpariert, damit sie nach der Explosion brennend auf dem Wasser treiben. Nur die Rakete wird nachträglich im Computer generiert. Echt war auch der Sprung von Schweiger, der gemäß Filmplot nur knapp dem gezielten Anschlag entgeht. "Ich spiele einen sympathischen Helden, der nichts mehr mit seinem früheren Job zu tun haben will und nicht auf diese Insel möchte", erklärt Schweiger. Er wird jedoch dazu gezwungen, weil sie ihm sein Boot wegsprengen.

Schweiger, der Sportliche

Nach zahlreichen Actionfilmen, darunter "Tomb Raider 2" mit Angelina Jolie, fiel es dem deutschen Schauspieler nicht schwer, die notwendige Fitness für die neue Rolle mitzubringen. "Ich treibe seit meinem zwölften Lebensjahr Sport", so Schweiger. Nach früherem Kickboxen und Boxen hält er sich heute vor allem mit Schattenboxen, Liegestützen, Klimmzügen oder Sit-Ups in Topform. Dennoch gibt es bei den Dreharbeiten zu "Far Cry" sogar zwei Stunt-Doubles, die bei Bedarf für ihn einspringen. "Ich gehöre nicht zu den Schauspielern, die behaupten, sie würden alle Stunts selbst drehen", betont Schweiger. "Bestimmte Sachen darf ein Schauspieler gar nicht selbst übernehmen, weil der ganze Film abgebrochen werden müsste, wenn er sich dabei verletzt."

In "Far Cry" arbeitet ein geldgieriger Wissenschaftler (Udo Kier) in geheimer Mission für die Regierung und nimmt Experimente an Menschen vor, damit sie als Soldaten unverwundbar sind. "Ihre Haut ist so strapazierfähig, dass keine Kugel durch sie dringt", erläutert Kier. In dieser Rolle als moderner Dr. Frankenstein pflanzt er seinen Probanden eine Kamera ein, so dass er von seinem Kontrollraum aus durch ihre Augen blicken kann. Doch die Gehirnmanipulation geht schief. Sie werden zu reinen Killermaschinen. Da sie nicht seinen Befehlen gehorchen, sperrt er sie in Zellen ein, verrät der Regisseur. "Wir versuchen, diese Geschichte mit möglichst viel Humor zu erzählen." Eine Gastrolle in "Far Cry" hat Ralf Möller übernommen, der sich in diesem Film nicht so einfach zum Mutanten umpolen lässt. "Bei mir klappt das nicht, weil ich einen extrem starken Willen besitze", sagt Möller. Der starke Riese hilft am Ende seinem alten Kriegskameraden und seiner Nichte, die ihn auf der Insel aufsuchen wollte. "Meine Figur macht im Laufe der Geschichte eine richtige Entwicklung durch", sagt Möller.

Computer erwecken Mutanten zum Leben

Damit sich die manipulierten Mutanten auf der Leinwand merklich von den echten Menschen unterscheiden, werden ihre Bewegungen in der Postproduktion mit Hilfe von Computereffekten beschleunigt, während sich die anderen Personen im Bild in Normalgeschwindigkeit fortbewegen. "Das wird der spektakulärste Effekt in 'Far Cry', versichert Boll. "Ich versuche, in jedem meiner Filme etwas neues auszuprobieren, das noch nie im Kino zu sehen war." Trotz der aufwendigen Stunts, bei denen am 24. Drehtag im Filmstudio in Vancouver mit Maschinengewehren ganze Fensterfronten in Serie zerschossen werden, strahlt der deutsche Regisseur eine geradezu stoische Gelassenheit aus. In dem 20.000 Quadratmeter großen Filmatelier sind vier Kameras aufgebaut, um aus verschiedenen Blickwinkeln aufzunehmen, wie ein Mutant aus dem Versuchslabor ausgebrochen ist und Amok läuft. Mit einem Maschinengewehr, das er einer der Wachen abgenommen hat, schießt er wahllos um sich. "Wir verwenden in dieser Szene ein echtes Maschinengewehr mit Platzpatronen", sagt der Action-erprobte Regisseur. "Damit dabei die Glasscheiben zerspringen, hat unser Spezialeffekte-Team sie vorher mit kleinen Sprengsätzen versehen."

Produziert wird das Action-Spektakel von der Boll KG und der kanadischen Produktionsfirma Brightlight Pictures. Die Finanzierung des 30 Millionen-Dollar-Films erfolgt aus dem Fonds 8 der Boll KG, mit dem bis 2005 noch Gelder von privaten Investoren in Deutschland eingesammelt worden sind. Nachdem dieses Steuerprivileg abgeschafft worden ist, hat Boll mit seiner Firma den Börsengang gewagt. "Da ich keine Filmförderung erhalte, müssen meine Filme ihre Produktionskosten wieder einspielen", sagt der Regisseur. Mit der bitterbösen Polit-Satire "Postal", dem Fantasy-Abenteuer "Schwerter des Königs Dungeon Siege" sowie dem Horror-Thriller "Seed" kommen in diesem Herbst gleich drei Boll-Filme in die deutschen Kinos, deren Produktionsvolumen sich zusammengerechnet auf 100 Millionen Dollar beläuft. "Far Cry" wird voraussichtlich im nächsten Jahr starten.

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