Film : Auf den Mops gekommen

"Wir verstehen uns wunderbar": Charlotte Rampling zeigt in Antoine de Caunes Streifen, dass Komödie nicht ihr Fach ist.

Daniela Sannwald
Rampling
Charlotte Rampling als intrigante Schauspielerin Alice. -Foto: Movienet

Charlotte Rampling ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass auch Schauspielerinnen jenseits der Vierzig ihren Beruf ohne Karriereknick einfach immer weiter ausüben können, und das mag darin liegen, dass sie, bevor sie mit amerikanischen Regisseuren wie Sidney Lumet, Woody Allen und Alan Parker drehte, bereits im französischen, englischen und italienischen Kino ihr eigentliches Zuhause gefunden hatte. So ist die 1946 geborene und in den letzten Jahren etwa für Ozons „Unter dem Sand“ (2000) oder „Swimming Pool“ (2003) ausgezeichnete Darstellerin vom Thema ihres neuen Films, in dem es auch um verblassenden Glanz und nachlassende Medienpräsenz von Altstars geht, im wirklichen Leben nicht betroffen. Gerade deshalb hätte Rampling vielleicht auf das Rollenangebot des ehemaligen Moderators und Komikers Antoine de Caunes verzichten sollen – die Komödie ist nicht ihr Fach.

Ihr Partner Jean Rochefort dagegen wurde bereits 1999 mit dem französischen Filmpreis César für sein Lebenswerk ausgezeichnet, ein untrügliches Zeichen dafür, dass man nicht mehr viel von ihm erwartete. In „Wir verstehen uns wunderbar“ („Désaccord parfait“) spielt er Louis, einen französischen Regisseur, der in London eine Ehrung erhalten soll, und man hat Alice (Charlotte Rampling), seine ehemalige Hauptdarstellerin und Lebensgefährtin von vor dreißig Jahren, gebeten, die Laudatio für ihn zu halten. Damals waren die beiden ein Glamourpaar, dessen plötzliche Trennung für Schlagzeilen und Spekulationen sorgte. Inzwischen ist Alice mit einem englischen Lord verheiratet, und Louis hat eine allgegenwärtige Assistentin anstelle einer Lebensgefährtin. Beim Wiedersehen nach drei Dekaden merkt man, dass alte Verletzungen nicht verheilt sind, besonders bei Alice, die Louis wegen dessen Affären und Lügen verlassen hatte.

Was dann passiert, ist absehbar und wenig spektakulär: Nach Austausch giftiger Bemerkungen und einer von Preisträger und Laudatorin zur privaten Abrechnung genutzten Verleihungszeremonie nähern sich die beiden wieder an, woran der großherzige, weitsichtige und geheimen Obsessionen frönende Ehemann von Alice (Ian Richardson) nicht unschuldig ist.

Da der Regisseur zu ahnen scheint, dass allein mit Geschlechterkampf keine Komödie mehr zu bestreiten ist, umgibt er die Protagonisten mit mehr oder weniger exzentrischen Charakteren, allesamt Inkarnationen angestaubter französischer Vorurteile gegenüber Engländern. Die Schauplätze sind entsprechend gediegen bis muffig: Schlösser nebst weitläufigen Parks als Erst- und Zweitwohnsitze mit Jagdtrophäen an Herrenzimmerwänden; ähnlich ausgestattete Hotelbars, Büros und Clubs, die als Schlösser durchgehen sollen. Da fehlt nur noch ein lebendiges Tier aus der Komödienmenagerie, und Sie wären nie drauf gekommen, dass es ein furzender Mops ist.

Capitol, Cinemaxx Potsdamer Platz, Filmkunst 66, FT am Friedrichshain, Kino in der Kulturbrauerei, Passage, Cinema Paris (OmU)

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