Film-Gala : Prämie für Paula

Die Defa-Stiftung feierte ihr zehnjähriges Bestehen. Mit Angelica Domröse und Rolf Hoppe wurden zwei Schauspieler ausgezeichnet, die zu den Stars des deutschen Kinos gehören. Der Kulturstaatsminister scheint einen der Namen zumindest noch nie gehört zu haben.

Frank Noack

Richtig "gemein" findet Moderator Knut Elstermann, was den nominierten Stars bei der Oscar-Verleihung zugemutet wird. Sie werden eingeladen, obwohl feststeht, dass einige von ihnen leer ausgehen. Die Kamera hält auch noch ihren Gesichtsausdruck fest, wenn sie erfahren, dass ihr Konkurrent gewonnen hat. Beim jährlichen Preis der Defa-Stiftung gibt es solche Demütigungen nicht. Zur Zeremonie am Dienstagabend wurden nur Preisträger eingeladen, Glamour- und Stressfaktor sind entsprechend gering: Wenn die Veteranen Angelica Domröse und Rolf Hoppe im überfüllten Saal des Babylon Mitte Standing Ovations entgegennehmen, befindet sich kein gleichrangiger Kollege im Publikum.

Bei der Gelegenheit wird zudem das zehnjährige Bestehen der Defa-Stiftung gefeiert. Doch die Organisatoren verzichten auf eine monumentale Präsentation vergangener Triumphe. Stattdessen werden ihre Leistungen knapp und sachlich referiert. Nur einmal gibt es empörte Zwischenrufe: Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) erweist einem "Ralf Hoppe" die Ehre. Dabei fordert ein anderer Aspekt seiner Rede weitaus stärkeren Widerspruch heraus: Neumann preist die Defa lediglich aus der Defensive und glaubt betonen zu müssen, sie habe nicht nur Propaganda produziert. Durch Stipendien für junge Filmemacher bleibe der Name Defa positiv besetzt. Sehr erkennbar ist da eine Weigerung, das widersprüchliche Erbe der Defa anzunehmen. Moral wird höher bewertet als Kunst - als handle es sich bei der Institution, die das Defa-Erbe betreut, um eine karitative Einrichtung. Wobei der moralische Anspruch neue Varianten des Verbotsfilms hervorbringt: Jetzt sind es Produktionen wie der Fünfteiler "Ich, Axel Cäsar Springer" (1970), die in den Giftschrank wandern, weil sie dem Ruf der Defa schaden könnten.

Dieter Kosslick im Berlinale-Stress

Keine Sorgen um seinen guten Ruf macht sich Volker Koepps Lieblingskameramann Thomas Plenert. Laudatorin Helke Misselwitz berichtet über seine Nebentätigkeit als Landwirt und die makabren Scherze mit Gästen, die er beköstigt. Zum Schweinebraten gibt es ein Foto: "Kuck mal, so sah es aus, als es noch lebte." Diesen Satz nimmt Angelica Domröse in ihrer Dankesrede auf: so sollten die Menschen einmal über sie reden.

Wie beruhigend, dass der Schweine Vergleich von ihr selbst stammt und nicht von ihrem Laudator Dieter Kosslick. Der Mann verspricht sich ein paar Mal, versteht es jedoch stets, aus einem Lapsus eine Pointe zu entwickeln. Derzeit muss er für die Berlinale Tausende von Filmen sichten (lassen), da sieht man ihm manch kuriosen Satz nach. Etwa jenen über "Die Legende von Paul und Paula": "Diesen Film kann man sich wirklich im Bett anschauen." Domröse und Hoppe bezeichnet er als "zwei der besten Schauspieler dieses Jahrhunderts", und auf den Hinweis, das Jahrhundert sei erst acht Jahre alt, korrigiert er sich - "der letzten 108 Jahre".

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