Film über John Rabe : In China verehrt, in Deutschland vergessen

Die Handlung erinnert an den Kinoerfolg "Schindlers Liste": Ein deutsch-chinesisches Produktionsteam dreht derzeit in Schanghai die historische Geschichte des "Guten Deutschen von Nanjing" nach.

Till Fähnders[dpa]
Ulrich Tukur
Ulrich Tukur in der Rolle des John Rabe an Originalschauplätzen in China. -Foto: ddp

Shanghai Der Plot: Der deutsche Kaufmann und NSDAP-Genosse John Rabe rettete 1937 mehr als 200.000 Chinesen vor den Gräueltaten der japanischen Truppen. Regisseur des Spielfilms ist Kurzfilm-Oscar- Preisträger Florian Gallenberger, John Rabe wird von Ulrich Tukur gespielt. Ein Drehtag im November: Ulrich Tukur ("Ein fliehendes Pferd") beginnt in der Kulisse eines kolonialen Ballsaals eine Rede. "Ich lebe seit mehr als 27 Jahren in China", setzt der mit Schnurrbart, Nickelbrille und Glatze kostümierte Darsteller an. Dann ein Knall, ein Blitz, ein schwerer Kronleuchter stürzt herab und zerschellt krachend auf dem Parkett. Ein Bombenangriff. Die Kamera nimmt auf, wie Schauspieler und Statisten panisch aus dem Saal rennen.

Die turbulente Szene markiert den Einbruch des Krieges in die ostchinesischen Stadt Nanjing (Nanking). Die japanischen Truppen, die Ende 1937 bereits Shanghai und Teile Nordchinas erobert haben, stürmen auf die damalige Hauptstadt zu. Damals begann eine Zeit unbeschreiblichen Grauens für die Zivilbevölkerung. Nach chinesischen Angaben wurden in Nanjing über Wochen 300.000 Menschen von japanischen Soldaten ermordet und brutal hingerichtet. Tausende Frauen wurden vergewaltigt.

Gedenken am 13. Dezember

Die Dreharbeiten fallen mit dem 70. Jahrestag des "Massakers von Nanjing" zusammen, dessen die Chinesen am 13. Dezember gedenken. Für den Hamburger Kaufmann John Rabe beginnt mit dem Angriff der Japaner eine Wandlung vom einfachen Siemens-Vertreter, arroganten Kolonialherren und Hitler-Verehrer zum Retter von Hunderttausenden und "Lebenden Buddha". Als Vorsitzender eines Internationalen Komitees richtet er mit anderen Ausländern eine Sicherheitszone für Flüchtlinge ein.

Mehr als 600 Chinesen kommen allein auf seinem Privatgrundstück unter. Der Deutsche spannt in seinem Garten die Hakenkreuzfahne auf und schützt mit diesem Symbol des Schreckens paradoxerweise sogar Leben, da Hitler-Deutschland mit Japan verbündet war und die japanischen Soldaten die Schutzzone deswegen akzeptierten. "Es ist eine interessante Figur, weil sie sehr widersprüchlich ist", sagt Ulrich Tukur am Rand der Dreharbeiten. Durch die Geschichte werde Rabe für eine Zeit lang "zu einem richtig anständigen großen Menschen, einem Humanisten". "Er wächst über sich hinaus."

Drehort Shanghai

Gedreht wird bis Februar in Shanghai und an Originalschauplätzen in Nanjing. Der mehr als 15 Millionen Euro teure Film soll Ende 2008 in die Kinos kommen. In weiteren Rollen sind Daniel Brühl, Dagmar Manzel und Gottfried John sowie Hollywood-Schauspieler Steve Buscemi ("The Big Lebowski") und die Chinesin Zhang Jingchu ("Peacock") zu sehen.

Der Film "John Rabe" solle keine Heldensaga erzählen und nicht den Eindruck erwecken, es habe "gute Nazis" gegeben, erklärt Regisseur Florian Gallenberger. Rabe, der das Hitler-Regime nur aus der Ferne kannte, sei nach seiner Rückkehr von seinem Irrglauben an das "Dritte Reich" bald abgefallen. Vergeblich habe er versucht, Hitler zur Einflussnahme bei den japanischen Bündnispartnern zu bewegen. Darauf war er von der Gestapo festgenommen und mit Redeverbot belegt worden.

"John Rabe hatte ein verklärtes Bild vom Nationalsozialismus", meint auch Daniel Brühl, der im Film einen deutschen Diplomaten jüdischer Herkunft spielt. Für das Filmteam ist nicht nur die vergessene Geschichte und die Figur John Rabe interessant, sondern auch der ungewöhnliche Dreh im fernen China. Die chinesischen Darsteller sehen es als Ehre an, mitspielen zu dürfen: "John Rabe hat so viel Gutes getan", sagt der Schauspieler Lin Dongfu. (dm/dpa)

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