Filmfestival : Das Genre des Dokumentarfilms ist bunt

Dokumentarfilme sind aus Sicht der Koordinatorin beim Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest, Christine Messerschmidt, heute weit vielfältiger als früher. Auch die wachsenden Zuschauerzahlen sprechen für einen Wandel des Genre.

Kassel"Ökonomisch gesehen muss man sagen, dass die großen Erfolge der Mainstream-Dokus etwas nachgelassen haben", sagte Messerschmidt zu Beginn des Kasseler Festivals. Doch der Boom der vergangenen Jahre habe dem Dokumentarfilm zum Durchbruch verholfen und ihn verändert. "Er hat sich von seinem alten Image befreit und sich ganz neue Möglichkeiten verschafft", sagte Messerschmidt.

Auffällig viele junge Filmemacher entfernten sich von der strikt chronologischen Form, um stattdessen assoziativ zu erzählen. "Es sind spontane Szenen und Dialoge möglich, wie Stanislaw Mucha sie in seinem Film Zigeuner zeigt, wenn er die Kamera mitten ins Volk hält und ungeplante Wortmeldungen spontan einfängt." Das Publikum werde mehr herausgefordert, sich selbst Gedanken zu machen, statt ein vorgefertigtes Denkmodell vorgesetzt zu bekommen. Außerdem nutzten häufiger bekannte Personen wie etwa die Moderatorin Mo Asumang das Medium. "Andererseits berichten nun Menschen, die zuvor nicht die Chance hatten, Gehör zu finden."

Thematisch beliebt seien bei Filmemachern und Publikum fremde Länder und unbekannte Welten, besonders Afrika ("Maimouna") und Ost- Europa ("Geschichte der Geschwindigkeit"). Diese Themen wie auch Globalisierung und Politik ("Gysi und ich") und Tod und Sterben ("Zeit zu gehen") seien zur Zeit gefragt. Insgesamt verzeichnen die Dokumentarfilmfestivals in Leipzig, München und Kassel Messerschmidt zufolge in den letzten Jahren deutlich zunehmende Besucherzahlen. Ein Grund: "Die Geschichten, die das Leben konstruiert, sind allemal gewagter und überraschender als jede Fiktion." (mit dpa)

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