Filmfestival : Leopardenjagd in Locarno

Im Wettbewerb des 60. Internationalen Filmfestivals von Locarno konkurrieren auch deutsche Beiträge um die Trophäe des Goldenen Leoparden als bester Film. Der Sci-Fi-Thriller "Vexille" feiert auf der größten Filmleinwand der Welt seine Premiere und der Schauspieler Michel Piccoli wird für sein Lebenswerk geehrt.

Peter Claus[dpa]

LocarnoLocarno, die malerische Schweizer Stadt am Lago Maggiore, steht wieder ganz im Zeichen des Goldenen Leoparden. Um die Trophäe als bester Film des 60. Internationalen Filmfestivals konkurrieren im Wettbewerb 19 Produktionen – auch Deutschland ist vertreten, nachdem es im vergangenen Jahr einen wahren Preisregen für deutsche Produktionen gegeben hatte. Das einst von Regisseuren wie Charles Chaplin und Sergej Eisenstein begründete Festival im "Herzen des Tessin" gehört neben Berlin, Cannes und Venedig zu den wichtigsten in Europa. Zur festlichen Eröffnung am Abend auf der von Arkaden und Restaurants gesäumten mittelalterlichen Piazza Grande, die rund 8000 Zuschauern Platz bietet, stand nach dem japanischen Zeichentrickfilm "Vexille" eine Hommage für Ingmar Bergman auf dem Programm. Anlässlich des Todes des schwedischen Meisterregisseurs am Montag im Alter von 89 Jahren hatten die Veranstalter in Locarno kurzfristig beschlossen, Bergmans letzten Film "Sarabande" (2003) zu zeigen – die Fortsetzung seines Welterfolgs "Szenen einer Ehe" (1973).

"Vexille" ist eine technische Innovation: Der Film von Regisseur Fumihiko Sori wurde komplett digital realisiert und verbindet virtuose Action mit spannender Science-Fiction. Das Festival betonte, auf der mit 26 mal 14 Metern größten Filmleinwand der Welt in Locarno erstmals einen Film in High Definition aufzuführen. Die neue Vorführtechnik habe dies möglich gemacht. Das deutsche Filmschaffen ist bei der Jubiläumsausgabe des Festivals mit 13 Beiträgen in den wichtigsten Sektionen, wie beispielsweise dem internationalen Wettbewerb, der Reihe allabendlicher Aufführungen auf der mittelalterlichen Piazza Grande und dem Nachwuchswettbewerb, stark vertreten. Ins Rennen um den mit 60.000 Euro dotierten Hauptreis als bester Film, den Goldenen Leoparden, starten aus Deutschland die zwei Spielfilme "Früher oder später" von Ulrike von Ribbeck und die deutsch-argentinische Koproduktion "Las vidas posibles" von Sandra Gugliotta.

Freiluftaufführungen auf der Piazza Grande

Die große Attraktion des Festivals sind die Freiluftaufführungen auf der Piazza Grande. Auch diesmal werden dazu wieder 200.000 filmbegeisterte Zuschauer aus aller Welt erwartet. Mit besonderer Spannung erwartet wird die Aufführung von "Hairspray" (USA), dem mit Michelle Pfeiffer, Queen Latifah, John Travolta und Christopher Walken exzellent besetzten Remake des gleichnamigen Kultfilms aus dem Jahr 1988. Um die Publikumsgunst kämpfen auch "Nichts als Gespenster" von Martin Gypkens aus Deutschland, vor drei Jahren mit dem Überraschungserfolg "Wir" bekannt geworden, und mit "The Drummer" von Kenneth Bi (eine Koproduktion Hong Kong/ Taiwan/ Deutschland).

Insgesamt sind an den elf Festivaltagen bis zum 11. August rund 500 kurze und lange Filme zu sehen. Produktionen aus Asien und den USA bilden dabei quantitativ einen Schwerpunkt. Zum 60. Jubiläum gibt es zahlreiche Spezialreihen, so die Retrospektive mit Filmen von heute berühmten Regisseuren, die einst als Unbekannte in Locarno erste Arbeiten vorgestellt hatten, etwa Claude Chabrol aus Frankreich, István Szabó aus Ungarn und Mike Leigh aus Großbritannien. Beiträge aus Ländern, in denen die Filmindustrie noch im Entstehen ist, werden in der Sektion "Open Doors" vorgestellt, in diesem Jahr mit dem Schwerpunkt Naher und Mittlerer Osten. Die Hommage "Signore e Signore" zeigt die schönsten Filme italienischer Schauspiel-Diven, zum Beispiel von Anna Magnani, Sophia Loren und Claudia Cardinale. Erstmals wird in diesem Jahr ein Kurzfilmwettbewerb veranstaltet.

Prominente, Glanz und Glamour

Zu den Prominenten, die dem Festival diesmal zu Glanz verhelfen, gehört Anthony Hopkins als Darsteller und Regisseur des Wettbewerbsfilms "Slipstream", in dem auch Christian Slater mitspielt. Die ersten Preisträger dieses Jahres stehen bereits fest: Die spanische Schauspielerin Carmen Maura, der französische Schauspieler Michel Piccoli und der taiwanesische Regisseur Hou Hsiao-hsien werden für ihr Lebenswerk geehrt.

In Deutschland ist die Spannung groß, ob der Erfolg des Vorjahres wiederholt werden kann. Der Goldene Leopard für den besten Film ging an die schweizerisch-deutsche Koproduktion "Das Fräulein". Das später oscargekrönte Stasi-Drama "Das Leben der anderen", vorgestellt auf der Piazza Grande, gewann den begehrten Publikumspreis, "Verfolgt" den Hauptpreis des vor einem Jahr neu gegründeten Wettbewerbs "Filmemacher der Gegenwart", in dem Innovativ-Ungewöhnliches vorgestellt wird, und Burkhart Klaußner wurde als bester Hauptdarsteller für seine Rolle in "Der Mann von der Botschaft" geehrt.

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