Filmfestival Venedig : Clooney und der Irakkrieg

Auf dem Filmfestival Venedig präsentiert Regisseur Brian De Palma einen Doku-Thriller über eine Truppe von Marines: Im Irak stationiert, vergehen sie sich an einer Minderjährigen. George Clooney glänzt im Regiedebüt von Tony Gilroy als Anwalt.

George Clooney
George Clooney - hat gut Lachen - hier auf der Berlinale 2007. -Foto: ddp

Venedig Schon wenn George Clooney (46) nur auftaucht, sichert er dem Filmfestival von Venedig Schlagzeilen: "Er ist ein Superstar wie die Garbo", titelt selbst die als seriös geltende Tageszeitung "Corriere della Sera" aus Mailand. Der Hollywood-Star sieht in Wirklichkeit fast so gut aus wie im Film. Grau meliert, dann dieser sanfte Zug um die Mundpartie - einen ganzen Tag harrten die Fans vor dem Hotel "Excelsior" am Lido aus.

Angeblich soll der Amerikaner hier in einem Werbespot für eine bekannte Kaffeemarke auftreten. Doch der schöne Clooney hat auch seinen neuen Film zum Festival mitgebracht, in dem er in eine Heldenrolle geschlüpft ist, als echter Kämpfer gegen das Böse. "Michael Clayton" heißt der Titel, ein Regiedebüt des Amerikaners Tony Gilroy, das im November in die deutschen Kinos kommt - ein politisch korrekter Thriller. Clooney (grau meliert, grauer Anzug, Dreitagebart) arbeitet für eine der berühmten Anwaltskanzleien in New York. Der geübte Thrillerfan weiß gleich, dass solche Kanzleien immer Dreck am Stecken haben. Es geht (politisch total korrekt) um einen Fall von schwerer Umweltverschmutzung, Krebserkrankung durch Chemikalien. Um den Fall zu vertuschen, heuern die Bösen einen Killer an.

Clooney als Draufgänger - de Palama als Schocker

Die beste Szene ist am Anfang: Clooney rast im schnieken Mercedes durch den Morgennebel auf dem Land, hält in idyllischer Szenerie an, geht auf eine Weide, um Pferde zu streicheln - da explodiert sein Auto wie ein Feuerball. Alles professionell gemacht, alles durchschaubar, ein ganz normaler Krimi eben. Clooneys einziger Makel, er ist ein Zocker, ein Pokerspieler - und er trinkt ein bisschen zu viel. Fast noch eindringlicher spielen mit ihm Tilda Swinton und Tom Wilkinson.

Auch Brian De Palma (66), den meisten Fans als Regisseur von "Mission: Impossible" bekannt, hat in Venedig seinen neuen Wettbewerbsbeitrag vorgestellt. Im vorigen Jahr hatte er hier mit dem Thriller "Black Dahlia" enttäuscht. Diesmal hat er sich ein ganz anderes Sujet gewählt, das brisanteste Thema, das derzeit zu haben ist - den Irakkrieg. Es ist auch das schwierigste Thema. "Redacted" lautet der Filmtitel. "Wieder einmal hat ein sinnloser Krieg eine sinnlose Tragödie erzeugt", meint De Palma. Irgendwo, weit ab von Bagdad, schieben ein paar US-Soldaten ihren Dienst, gähnende Langeweile, die Jungs wollen nur wieder schnell nach Hause, doch der Tod lauert bekanntlich an jeder Ecke. Hauptaufgabe der Marines ist es, Straßensperren zu errichten.

Schlimme Bilder, versteckte Wahrheiten

Autos werden angehalten, Iraker nicht gerade zimperlich auf Sprengstoff untersucht - und wenn die Jungs mitunter junge Mädchen abtasten, kommen sie schon Mal auf andere Gedanken. Das alles wird von einem der Marines per Video aufgezeichnet, die Wirkung ist bedrückend. Dann kommt das Drama, schwer betrunken entschließen sich die Typen, bei einer Familie einzubrechen, bei der sie vor ein paar Tagen die Männer inhaftiert haben. Ziel ihre Begierde ist ein 14-jähriges Mädchen. Einer der Jungs versucht, seine Kameraden vergeblich aufzuhalten. Zwei der Soldaten vergewaltigen das Mädchen, bringen die Kleine um, am Ende verbrennen sie die Leiche.

"Wie konnten die Jungs derart durchdrehen?", fragt der Regisseur. De Palma verquickt Doku und Fiktion, fischt Soldaten-Videos über das wahre Grauen aus dem Internet, stellt sie den "glattgebügelten" TV-Nachrichten gegenüber. Seine These: Den Menschen in den USA werden die schmutzigen Bilder des Kriegs vorenthalten - im Gegensatz zum Vietnamkrieg. "Erst wenn wir diese Bilder sehen, wird der Krieg beendet werden." Die letzten Bilder seines Film sind verbrannte, verkohlte, verstümmelte Leichen. Bei der Pressevorführung rührt sich so gut wie kein Beifall - einige Kritiker meinten, sie hätten solche Bilder schon zu Genüge gesehen. (mit dpa)

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