Filmkritik : Brutal: "Machete" von Robert Rodriguez

"Machete" von Robert Rodriguez ist ein unfassbares Gemetzel. Dennoch erhebt sich der Film weit über den üblichen Actionschrott, weil der Regisseur seine Darsteller konsequent gegen den Strich besetzt.

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In Action. Machete (Danny Trejo).
In Action. Machete (Danny Trejo).Foto: Sony

Typen wie er stehen im Actionfilm meist auf der falschen Seite des Gesetzes: Der mexikanischstämmige US-Schauspieler Danny Trejo hat sein vernarbtes Gesicht in etlichen Filmen wie „Con Air“ oder „xXx“ ins Mündungsfeuer halten müssen. Mittlerweile ist Trejo 66 und nicht gerade prädestiniert für eine Karriere als positive Identifikationsfigur. Dennoch erkor ihn sein Landsmann Robert Rodriguez zum Titelhelden seiner Schlachteplatte „Machete“. Eine Berufung, die sich eine Weile andeutete, hatte Trejos Machete doch Kurzauftritte in Rodriguez’ Agentenparodie „Spy Kids“ und in den Fake-Trailern, die Quentin Tarantinos und Rodriguez’ „Grindhouse“-DoubleFeature zu einem hybriden Gesamtkunstwerk verbanden.

Rodriguez’ Hang zu expliziter Gewaltdarstellung ist legendär. „Machete“ beginnt mit einer versuchten Geiselbefreiung, bei der Trejo als Ermittler der mexikanischen Polizei die Söldner eines mexikanischen Drogenbarons (mit sadistischer Lakonie: Steven Seagal) massakriert, ehe er in einen Hinterhalt gerät und mit ansehen muss, wie seine Familie abgeschlachtet wird – ein unfassbares Gemetzel, das im Verlauf von 100 Minuten bis zum Showdown mit „Mad Max“-Referenzen grotesk überboten wird. Dennoch ist Machete zunächst nicht der zu erwartende Racheengel: Als illegaler US-Einwanderer schlägt er sich mit Gelegenheitsjobs durch. Erst nachdem er in eine finstere Verschwörung gezogen wird, erwacht sein Kampfgeist mit den absehbaren Folgen.

Was „Machete“ weit über den üblichen Actionschrott erhebt, ist die coole, ironisch gebrochene Inszenierung und der Mut des Regisseurs, seine Darsteller konsequent gegen den Strich zu besetzen. Darüber hinaus überrascht der politische Subtext: Wenn ein reaktionärer US-Senator (Robert de Niro) mit dem Anführer einer faschistoiden Bürgerwehr (Don Johnson) nächtens auf Immigrantenjagd geht oder in Wahlkampfspots die Überfremdungsgefahr Amerikas in „Stürmer“-Bildsprache beschworen wird, erscheint das angesichts aktueller Entwicklungen nur wenig überzeichnet.

Zudem erweitert „Machete“ durchaus den Begriff des Latino-Helden. Trejos genüsslich zelebrierter Virilität steht eine rührende Altmännerträgheit gegenüber: Selbstredend verfallen ihm alle wunderschönen Heroinen, verkörpert von Schauspielerinnen, die Trejos Töchter sein könnten. Doch Michelle Rodriguez (32), Jessica Alba (29) und Lindsay Lohan (24) lassen sich nicht einfach flachlegen, sondern nehmen sich den an Leib und Seele versehrten Recken – der dann allerdings, so viel Machismo muss schon sein, nach durchvögelter Nacht auf erschöpfte Frauenleiber blicken darf.

In 13 Berliner Kinos, OV im Cinestar SonyCenter, OmU im Moviemento

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