Filmrezension : Wer vor die Tür geht

Abwechslung mit Folgen: die Komödie „Date Night“ begeistert durch köstliche Dialoge, viel Ironie und Charme. Weniger Angestrengtheit in Sachen Situationskomik hingegen hätte es auch getan. Doch Fey und Carell gelingt es, noch die plattesten Slapstick-Einlagen niveauvoll darzubieten.

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In Bedrängnis. Claire (Tina Fey) und Phil Foster (Steve Carell). Foto: 20th Century Fox
In Bedrängnis. Claire (Tina Fey) und Phil Foster (Steve Carell).Foto: 20th Century Fox

Eine Nacht in einem klimatisierten Hotelzimmer, ganz allein mit einer Diät-Sprite. Das sind die Fantasien, die Claire Foster (Tina Fey) hat. Mit Phil (Steve Carell) führt sie zwar eine zwar glückliche, aber vom Alltag gezeichnete Ehe. Selbst die wöchentliche „Date Night“, der Versuch, ihrem Paarleben das anfängliche Feuer zurückzugeben, ist zur Routine geworden: Claire und Phil sitzen in ihrem Stammlokal, plaudern über die Kinder, bestellen „wie immer“ – und beneiden heimlich den Babysitter, der es sich derweil auf ihrer Couch vor dem Fernseher gemütlich macht.

Als Freunde ankündigen, sich aus lauter Langeweile zu trennen, sind die Fosters alarmiert. Sie brechen aus ihren Gewohnheiten aus und besuchen Manhattans hippstes Restaurant. Die Abfuhr des Platzanweisers ist jedoch so klar wie schmerzhaft: Kein Tisch ohne Vorbestellung – erst recht nicht für Durchschnittspaare aus New Jersey. Doch zu Claires beträchtlichem Erstaunen beweist Phil Chuzpe und schnappt sich die Reservierung anderer Gäste. Ein Fehler mit Folgen: Die Fosters haben nun zwar einen vorzüglichen Tisch, aber auch eine Horde korrupter Cops im Nacken, die sie verdächtigen, einen USB-Stick höchst belastenden Inhalts zu besitzen. Da wäre er also, der aufregende Abend, den sie sich ersehnt haben.

Regisseur Shawn Levy, so heißt es, ist die Idee zu diesem Film beim AuswärtsDinner mit seiner Frau gekommen. Keine Frage, Levys Stoff hat hohes Identifikationspotential. Schon deshalb könnte „Date Night“ zum Klassiker heimischer DVD-Abende avancieren, geliebt von allerlei Beziehungserschlafften, denen es ergeht wie den Fosters. Für sie hält der Film eine beruhigende Botschaft bereit: DVD-Abende sind völlig okay so. Bis auch Claire und Phil zu dieser Einsicht gelangen, ist es allerdings ein weiter Weg. Er beginnt mit einer Notlüge, führt über zahlreiche Feuertreppen in zwielichtige Striplokale und endet – beinahe – mit dem Tod.

„Date Night“ begeistert durch köstliche Dialoge, viel Ironie und Charme. Weniger Angestrengtheit in Sachen Situationskomik hingegen hätte es auch getan. Doch Fey und Carell gelingt es, noch die plattesten Slapstick-Einlagen niveauvoll darzubieten. Sie sind zwei zum Gernhaben, zwei, denen man zu Hilfe eilen, ja, zwei, die man zum nächsten Spieleabend einladen möchte.

In 20 Berliner Kinos; Originalversion im Cinestar Sony-Center

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