Filmstart : Die Pistengänger

Wenn eine Unterschichtfamilie ins Ski-Resort reist: die französische Komödie "Triff die Elisabeths“.

Julian Hanich
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Arg glatt. Jean–Gabriel (Lucien Jean-Baptiste) mit Oma (Firmine Richard). Foto: Kool

Man nennt es das „fish out of water“-Prinzip. Und es funktioniert ganz einfach. Angelt man einen Fisch aus seiner angestammten Umgebung und legt ihn an Land, macht er schnell eine ziemlich blöde Figur. Er japst, zappelt wild rum, macht krumme Faxen. Ja, er wird, filmisch gesehen, zu einer Slapstick-Figur. Das „fish out of water“-Prinzip gehört zu den uralten Erfolgsstrategien der Filmkomödie, zumal es eine noch viel ältere Grundregel der Komik beherzigt: das Aufeinanderprallen von Extremen – und folglich das Funkenschlagen der Kontraste.

Man nehme eine südfranzösische Familie und zwinge sie in den kalten Norden, wo die Leute komisch aussehen, sich kurios benehmen und eine besonders merkwürdige Sprache nuscheln. Oder man greife sich eine Gruppe jamaikanischer Sprinter und schicke sie als Bobfahrer zu den Olympischen Winterspielen nach Kanada. Oder wie wär’s mit ein paar Großstadtmenschen, die es auf einer Ranch mit Rindviechern zu tun bekommen – und sich dabei selber wie welche benehmen? Kreuzt man diese drei Komödien – „Willkommen bei den Sch’tis“, „Cool Runnings“ und „City Slickers“ –, landet man punktgenau bei „Triff die Elisabeths“. Der Film ist in Frankreich ein Hit. Zu Recht – denn er kombiniert gekonnt und amüsant die Versatzstücke seiner Vorläufer: Auch hier geht es um regionale Unterschiede, um Schwarze im Schnee und Großstädter in der Provinz. Dazu kommt der Kontrast zwischen der Banlieue-Unterschicht mit Migrationshintergrund und den Weißen in den reichen Savoyer Alpen-Resorts.

Der Antillenfranzose Jean-Gabriel – gespielt von Lucien Jean-Baptiste, der hier zudem erstmals Regie führt – ist ein sympathischer Faulpelz. Sein geringes Einkommen verschleudert er in Wettbüros. Seine weiße Frau und die drei Kinder sehen das mit wachsendem Unbehagen. Zudem riskiert er gerne eine große Klappe – und schon kündigt er großspurig einen teuren Skiurlaub mit der Familie an. Und nicht nur das: Ein motorisiertes Gefährt muss er ebenfalls besorgen. Der Zufall will es immerhin, dass sein bester Freund ein Liebhaber von Prolo-Karossen ist, ja, geradezu ein Fetischist von Autolack und Autoleder. Dessen gelbes Geschoss mit Palmen auf den Kotflügeln dient der Familie als Vehikel, um von Créteil nach Les Gets zu reisen. Die Distanz beträgt knapp 600 Kilometer – Welten liegen dazwischen. Kein Schuft, wem Böses dabei schwant.

Hemmungslos macht Lucien Jean-Baptiste Wortwitze über die Hautfarbe seiner Film-Familie: Da wird über schwarzen Kaffee, schwarze Pisten und Schwarzzahlungen gescherzt. Immerhin ist mit der Großmama (Firmine Richard) eine Frau an Bord, die mit der Vokabel Wuchtbrumme noch zurückhaltend beschrieben ist und gewaltig an die resolut-rundliche Dame aus dem „Ladykillers“-Remake der Coen-Brüder erinnert. Und so haben auch die Frauen ein, nun ja, gewichtiges Wort mitzureden – durchaus zur Erheiterung des Zuschauers.

Cinemaxx, FT Friedrichshain, Kant, Passage; OmU im Cinema Paris

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