Filmstart : Papa, komm zurück

In "Der Vater meiner Kinder" ahnt man von Anfang an, dass es nicht gut gehen wird. Der dänische Regisseur, der Grégoire ins Verderben reißt, erinnert an Lars von Trier.

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Er sei besonders charmant, mitreißend, einzigartig, er könne nur leider nicht rechnen, nicht wirtschaften. Was Geschäftskollegen posthum über Grégoire Canvel (Louis-Do de Lencquesaing) sagen, ist als Hochachtung gemeint, und als Hommage. Mia Hansen-Loves Film „Der Vater meiner Kinder“ trägt eine Dankesschuld ab, an den französischen Produzenten Humbert Balsan, der Hansen-Love entdeckte und sich 2005 das Leben nahm, aus Angst vor wirtschaftlichem Bankrott. Ihm ist Grégoire Canvel nachgestaltet.

In „Der Vater meiner Kinder“ ahnt man von Anfang an, dass es nicht gut gehen wird. Zunehmend getrieben hetzt dieser Grégoire von einem Termin zum nächsten, telefoniert bei rasender Fahrt mit drei Handys gleichzeitig, hat für die Ehefrau, die entzückenden Töchter zu Hause immer nur kurze, dem Beruf gestohlene Augenblicke. Da brennt einer für seine Sache, und verbrennt dabei. Und keiner da, der Stopp sagt, alle sehen zu.

So weit, so durchschaubar. Der dänische Regisseur, der Grégoire ins Verderben reißt, erinnert an Lars von Trier, dessen Film „Manderlay“ Balsan produzierte. Und der junge Drehbuchautor, dessen Skript dann nicht mehr produziert werden wird, ähnelt der Regisseurin.

Doch zur Hälfte des Films, fällt ein Schuss – und die Handlung wechselt die Richtung. Es geht nicht mehr um Untergehen, sondern um Weiterleben. Sie kämpfen alle auf ihre Weise, Sylvie (Chiara Caselli), die sich entschließt, die Firma weiterzuführen, vor allem aber die Töchter, die jede ihren eigenen Weg der Trauer und des Trostes sucht. Besonders Clemence, die Älteste (Lea de Lencquesaing, Tochter des Hauptdarstellers), entwickelt sich zur stillen, starken Hauptfigur. Indem sie beginnt, dem Leben, dem Wesen des Vaters nachzuforschen, einen Stiefbruder entdeckt, von dessen Existenz sie nichts wusste, und einen eigenen Weg ins Filmgeschäft findet, und eine erste Liebe.

Da ist viel von der Melancholie eines Olivier Assayas, bei dem Mia HansenLove als Schauspielerin begann. Und doch ein frischer, junger Wille zum Weitermachen. Man kann ihnen die Türen öffnen, dieser neuen Generation. Den Weg gehen, das tun sie schon selbst.

Capitol, Filmkunst 66, OmU im Central, Cinema Paris und fsk am Oranienplatz

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