FORUM : Taubenglück

Die Jugendballade "The Exploding Girl“ bietet Schönheit im US-Independent-Film - das ist selten.

Christiane Peitz

Es geschieht nicht viel in diesen Semesterferien in Brooklyn, New York. Al (Mark Rendall) und Ivy (Zoe Kazan) spielen Karten, hören Musik im Park, teilen sich eine Pizza, gehen auf langweilige Parties. Al wohnt bei Ivy, weil sein Zimmer vermietet ist, die beiden kennen sich ewig. Ivy darf sich nicht aufregen, sie hat epileptische Anfälle. Al ist der supernette, schüchterne Sommersprossen-Typ. Wenn Ivy mit ihrer College-Liebe Greg telefoniert, sagt sie: Mir geht’s gut. Alles okay. Ich ruf wieder an. Greg ruft selten zurück.

Das Verdruckste der Jugend, die Verlegenheit, die Einsamkeit. Wie ein Einheimischer streift die Kamera (Eric Lin) durch die belebten Straßen von Brooklyn und entdeckt Ivy wie zufällig hinter den parkenden Autos. Der 37-jährige Amerikaner Bradley Rust Gray (er war 2003 mit „Salt“ im Forum) schafft eine verhaltene, dichte Atmosphäre für seine Figuren, und gerade weil die Kamera sich nicht anbiedert, gerade weil sie selber scheu bleibt, entsteht eine anrührende Nähe. „The Exploding Girl“? Da implodiert eher was.

Gesichter im Schatten, flirrendes Licht, Ivys stumme Verletztheit, als Greg mit ihr Schluss macht: Skizzen vom vorläufigen Leben, Ästhetik der Verunsicherung. Am Ende, als Vogelschwärme am Himmel kreisen, als Al ihr Taubenküken zeigt und die Freundschaft in Verliebtheit umschlägt, schenkt der Film den beiden einen stillen, großen Moment der Poesie. Schönheit im US-Independent-Film, das ist selten. Christiane Peitz

12. 2., 16.30 Uhr (Delphi), 14 .2., 21.30 Uhr (Arsenal), 15. 2., 15.30 Uhr (Cubix 8)

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