Freundschaftsdrama : Klonkinder

Wenn man nicht weiß, wohin die Reise geht, braucht man einen Verbündeten. Einen Freund gegen die Angst. Der Film "Zweier ohne" erzählt die Geschichte von Ludwig und Johann, die Zwillinge werden wollen.

Laura Wieland
Zweier_ohne
Ludwig und Johann -Foto: Stardust

Ein Bauernhaus unter einer Autobahnbrücke. Ein Außenseiter, der als Albino verspottet wird und die Toten hört. Und eine Mutprobe, die einen Jugendlichen fast das Leben kostet und eine bedingungslose Freundschaft besiegelt. Das sind die Zutaten für die Geschichte von Ludwig (Jacob Matschenz) und Johann (Tino Mewes). Gemeinsam rudern die Siebzehnjährigen im „Zweier ohne“ Steuermann. Es ist die Idee des perfekten Einklangs. Beide Ruderer müssen gleich stark sein, die Schwäche des anderen ausbalancieren, damit sich das Boot nicht um die eigene Achse dreht. „Wir müssen dasselbe denken und dasselbe fühlen“, sagt Ludwig. Also leisten die beiden einen Eid: Sie wollen Zwillinge werden. Sie rasieren sich eine Glatze, tragen die gleichen Kleider, schlafen mit demselben Mädchen. Fortan laufen sie als Klone durch die Welt und haben dabei das Ziel aus den Augen verloren – das Ziel, das Ruderer im Rücken haben, auf das sie also blindlings zusteuern.

Wenn man nicht weiß, wohin die Reise geht, braucht man einen Verbündeten. Einen Freund gegen die Angst. Dafür hat Johann Ludwig: um die Angst vor dem Tod zu besiegen. Ludwig, der den Aufprall der Selbstmörder im Garten hört, wenn sich erneut ein Verzweifelter von der Brücke gestürzt hat. Dann sitzt er vor den Toten, schließt ihnen die Augen und blickt sie an, als könnten ausgerechnet sie ihm erklären, was er auf der Welt zu suchen hat. Was rettet die Szene vor dem Kitsch? Nur der beklemmend weggetretene Blick von Jacob Matschenz, der sonst immer kurz vor dem Amoklauf zu stehen scheint, und das verstörte Spiel von Tino Mewes, der manchmal wie ein Kind wirkt.

„Zweier Ohne“ ist die Verfilmung einer Novelle von Dirk Kurbjuweit und nach „Die Einsamkeit der Krokodile“ schon die zweite Vorlage des „Spiegel“-Autors, die Regisseur Jobst Christian Oetzmann auf die Leinwand bringt. Es ist ein klassisches Coming-of-Age-Drama über erste Liebe, Freiheitsdrang, Todessehnsucht – vielleicht ist es deswegen unvermeidlich, dass der Film vor Pathos ächzt. Und Mewes und Matschenz ständig in Männerfreundschaftsklischees zwingt: Brüllen im Regen, Treueschwüre, Prügeleien.

Wer das Drama noch nicht begriffen hat, bekommt es durch die Filmmusik eingehämmert. Die Bilder von in Mondschein getauchten Baugerüsten und Motorradfahrten durch Alleen sind schön, wirken aber stilisiert. Und immer wieder gleitet die Kamera über den See, der auch dann noch ruhig und spiegelglatt ist, wenn die Freundschaft schon völlig aus dem Ruder geraten ist.Laura Wieland

Babylon Mitte, Cinemaxx Potsdamer Platz, Moviemento, Neue Kant Kinos

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