Gangsterfilm : Königsmörder

Die derbe Komik slapstickhafter Schauspieleinlagen und absurder Requisiten hilft, dass dem Zuschauer nicht schwindlig wird - denn Johnny Tos "Sparrow" ist ein eleganter Gangsterfilm.

Daniela Sannwald

Eine schöne Frau und ein Mann im Cabrio, sie fährt, er raucht. Nach einem Seitenblick nimmt sie ihm mit einer somnambulen Geste die Zigarette aus dem Mund, zieht selbst daran, hinterlässt einen zartrosa Lippenstiftabdruck auf dem Filter und reicht sie zurück. Er betrachtet die Spur Mundes, dann schließt er die Lippen genüsslich darum herum. Rauchwölkchen schweben in den Himmel.

In Johnnie Tos neuem Film „Sparrow“ ist dieser Kuss der einzige, den die ätherische Lei-chun dem Taschendieb Kei gönnt. Und wenn man den beiden dabei zusieht, fällt einem wieder ein, was am Rauchen so schön sein kann. Aber das war vor langer Zeit; und auch Johnnie Tos Hongkong scheint das einer unbestimmten Vergangenheit zu sein, als beispielsweise das Rauchen noch zelebriert wurde. Aber nicht nur das: Die Helden in diesem Film, der Taschendieb Kei und seine Kumpane, führen einen Generationenkrieg gegen den ehemaligen König ihrer Branche, Herrn Fu. Der ist der Geliebte Lei-Chuns, ein Sugar-Daddy. Lei-chun hat jeden der vier Taschendiebe verführt, um sie anzustiften, ihren Pass zu stehlen, den Herr Fu im Tresor hat. Ob die alte Schule der neuen überlegen ist, muss sich zeigen.

Johnnie To hat diese Geschichte als ästhetisches Spektakel inszeniert: Mit einem Jazzscore, Farben und Licht zaubert er eine nostalgisch verträumte Stimmung auf die Leinwand; seine Kameraperspektiven entwickeln die architektonischen Vorgaben seiner wunderbaren Schauplätze weiter, während Zeitlupen verleugnen, dass die Zeit nicht stehen bleibt. Dagegen steht die derbe Komik slapstickhafter Schauspieleinlagen und absurder Requisiten – womöglich, damit einem nicht schwindlig wird vor lauter Eleganz. Das passiert dann aber doch beim Finale, das Johnnie To als Wasserballett Schirm tragender Dunkelmänner choreografiert hat: Neonreklame, die sich im nassen Straßenpflaster spiegelt, fliegende Tropfen, Blicke unter Schirmrändern, und die bitteren Tränen eines alten, verlassenen Mannes.

Im Kino fsk 1 (OmU)

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