George Clooney : Nase um Nase, Zahn um Zahn

Regisseur George Clooney macht sich locker – mit der Football-Komödie "Ein verlockendes Spiel“.

Sebastian Handke
clooney
George Clooney als Dodge Connolly -Foto: ddp

Die Schweinsledermütze auf dem Kopf und die Pille unterm Arm, hecheln sie über Kuhwiesen und Provinzarenen. Danach gibt’s ein paar Scheine auf die Hand. Wer beim Spiel einen Zahn verlor, kann sich womöglich über einen Zuschlag freuen. Dann nimmt man den Zug ins nächste Städtchen. Auch dort wird die Tribüne nicht mal halb voll sein.

1925 war Profi-Football alles andere als glanzvoll. Das Spiel mit dem Ei war den College-Boys vorbehalten, nur Sportenthusiasten und Schulversager blieben dran hängen. Dodge Connolly (George Clooney), Kapitän der Duluth Bulldogs, ist so ein Hängengebliebener. Als sein Verein und die Liga vor der Pleite stehen, entwickelt er einen Rettungsplan: Der junge Kriegsheld Carter (John Krasinski) soll für die Bulldogs spielen und den Berufs-Football endlich populär machen.

Film und Football, als sie noch frei waren und Spaß machten – darum geht es in George Clooneys dritter Regiearbeit „Ein verlockendes Spiel“. Man möchte ihn mögen, diesen Film, für seine ironiefreie Liebe zum goldenen Hollywood der dreißiger und vierziger Jahre, seinen Blick fürs Detail, den Slapstick der Barroom-Prügeleien und Verfolgungsjagden, auch für Randy Newmans herrliche Musik. Doch leider macht Clooneys erster Komödienversuch einen leicht unförmigen Eindruck – als sei der Film nicht ganz fertig geworden.

Es sind zu viele Handlungsstränge, die Clooney hier verknüpfen will. Immer wieder wechselt der Film unvermutet die Tonart. Im Mittelteil etwa tragen die Männer weitgehend edlen Zwirn statt Schweinsleder: Eine gute Stunde lang ist „Leatherheads“, so der Originaltitel, statt Sport-Burleske nur klassisch-romantische Dreiecksgeschichte.

Carter, so stellt sich in einer herrlich komischen Rückblende heraus, ist leider kein Kriegsheld, und die Reporterin Lexie Littleton (Renée Zellweger) will mit der Wahrheit groß rauskommen. Fortan buhlen beide Männer um die Aufmerksamkeit des blonden Männerschrecks. Die Rollen sind klar vorgegeben: Clooney wechselt mit ausufernder Mimik in seinen bewährten Cary-Grant-Modus, Zellweger versucht sich an einer Mischung aus Katharine Hepburn und Rosalind Russell („His Girl Friday“), Krasinksi als Carter steht lieb und schlaksig herum wie der junge James Stewart. Clooney immerhin ist seinem Vorbild inzwischen ebenbürtig – ein glänzender Komödiant auch in den Königsdisziplinen des Fachs (dem Einstecken eines gezielten Faustschlags etwa). Zellweger allerdings irritiert – mit einer Mimik wie in Wachs gegossen, während sie an einer Zitrone lutscht. Nur die Lippen bewegen sich noch. Witz, Sarkasmus oder gar Eleganz sind da kaum mehr auszumachen.

Leider haben auch die Dialoge aus der Feder der „Sport Illustrated“-Autoren Duncan Brantley und Rick Reilly nicht genug Biss. George Clooney schrieb das Drehbuch selber noch um – wohl in wachsender Sorge, die Perfektion seiner Vorbilder nicht zu erreichen. Auch fehlt ihm das im Komödienfach so wichtige Gespür für die rechte Dosis: Der Film verliert immer wieder Tempo und Richtung; wo Funken sprühen sollten, reicht es oft nur für ein Flackern.

Immerhin besticht „Ein verlockendes Spiel“ mit einer leicht abgehangenen, Pastiche-artigen Erzählweise, wie sie etwa den Coen-Brüdern mehrfach gelang. Mit einigen sehenswerten Spielzügen – ein echter Touchdown ist George Clooney allerdings nicht gelungen.

Cinemaxx Potsdamer Platz, Cineplex Spandau, Cinestar Tegel, Cubix am Alexanderplatz und Titania Palast; Originalfassung im Cinestar Sony-Center

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