Heinz Badewitz : "Parkour" eröffnet die Hofer Filmtage

Am Dienstagabend war es mal wieder so weit: Festivalleiter Heinz Badewitz trat aus dem roten Vorhang des Scala-Kinos heraus und eröffnete auf seine unnachahmliche Weise die Filmtage von Hof.

Sebastian Handke

 Auch zum Beginn dieses 43. Jahrgangs zeigte er sich gesegnet mit seiner Gabe zur eigentümlichen Moderationsimprovisation. „Ihr seid die Partner des Films!,“ rief er dem verblüfften Publikum im ausverkauften Saal entgegen. „Und … und ... und so weiter.“

Noch bis Sonntag dürfen diese Partner des Films mit einer Auswahl aus 70 Spiel- und Dokumentarfilmen sowie 40 Kurzfilmen den Ausblick auf den Filmherbst genießen, traditionellerweise vor allem auf die neuesten Arbeiten junger deutscher Filmemacher. Die Retrospektive ehrt außerdem den Schauspieler, Filmemacher und Paneuropäer Lou Castel mit einer Werkschau aus Filmen von den Sechzigern bis heute.

Zwar dürfte auch in diesem Jahr der Dokumentarfilm viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen – mit Sabine Derflingers Doppelporträt zweier krebskranker Frauen („Eine von 8“), Werner Bootes Film über den globalen Produktionskreislauf von Plastik („Plastic Planet“), Maik Bialks Versuch, Hartz IV überflüssig zu machen („Die Maßnahme“) und Rosa von Praunheims Reise ins Jenseits („Rosas Höllenfahrt“).

Ein erstes Ausrufezeichen setzte allerdings Marc Rensing mit seinem gelungen Debüt „Parkour“. Der Eröffnungsfilm erzählt von Richy (Christoph Letkowski), einem jungen Gerüstbauer, der sich in seiner Freizeit dem Extremsport Parkour hingibt: Dabei sucht man sich den Weg durch die Stadt mal kletternd, mal springend, mal querstadtein über Zäune, Dächer, Mauern hinweg. In seinem Leben allerdings sieht Richy Hindernisse, wo keine sind. Seine eigene Firma hat er noch ganz ordentlich im Griff, auch die Freunde stehen zu ihm. Doch Richy wittert immer häufiger Zeichen des Verrats: bei Freundin Hannah (Nora von Waldstätten), der die Mathe-Nachhilfestunden bei Richys besten Kumpel Nonne (Marlon Kittel) überraschend viel Vergnügen bereiten, aber auch bei Geschäftspartnern, Kollegen und sogar wildfremden Menschen.

„Mich verarscht keiner!“, ruft er in den Himmel und verfängt sich doch zunehmend in einem Gewirr aus Misstrauen, Eifersucht und Gewalt, bis ihm sein Leben schließlich ganz entglitten ist. Anfangs nerven sie noch etwas, die allzu deutlichen, stetig wiederkehrenden Hinweise auf Richys Eifer- und Kontrollsucht, doch wenn „Parkour“ dann Fahrt aufnimmt und eine andere Richtung einschlägt, bekommt alles seinen tieferen Sinn. Ein gute Idee, ein eher melancholischer Film, unverkrampft umgesetzt. Ein bisschen weniger stimmungsvolle Musik hätte es zwar auch getan, dafür überrascht Hauptdarsteller Christoph Letkowski mit einer aufsehenerregenden Leistung. Ihm gelingt das Kunststück, einen sich zum Kotzbrocken wandelnden Menschen so darzustellen, dass man mit ihm fühlt. 

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