Kino : Herr Präsident, beenden Sie diesen Krieg!

Der Dokumentarfilm „Déjà Vu“ zeigt, wie Neil Young den Protest-Pop wiederbeleben will

Bodo Mrozek

Als „Déjà Vu“ bezeichnet man eine Situation, die einem vorkommt, als habe man sie schon einmal erlebt. „Déjà Vu“ ist auch der Titel eines Stückes des Musikers David Crosby. Es erschien 1970 auf dem gleichnamigen Album der Folk-Pop-Gruppe Crosby, Stills, Nash & Young (CSNY) und gilt als ultimative Anti-Vietnamkriegshymne.

„Déjà Vu“ ist nun auch der Name eines Dokumentarfilmes des Regisseurs Bernard Shakey, ein Pseudonym, hinter dem sich Neil Young verbirgt. Er begleitet CSNY auf einer Tour durch das Amerika des Jahres 2006. Die „Freedom of Speech“-Tour ist angelegt als eine Art politischer Kreuzzug. Ihr Ziel ist George W. Bush, das Thema ist der Irakkrieg.

Der Film springt zwischen den Zeiten und Stilen. Es gibt die Live-Aufnahmen der Tour, die Momente im Tourbus und den für Konzertfilme so wichtigen Blick hinter die Kulissen. Wir dürfen dabei sein, wie die Alt-Hippies – Young und seine Mitstreiter sind allesamt über 60 – einen gewaltigen Chor dirigieren oder im Wohnzimmer ihre Gitarren stimmen. Darüber schieben sich Kriegsbilder aus Vietnam und dem Irak. In warmen Farben mischen sich die Bilder der Blumenkinder von damals mit denen der neuen Protestler in ihrem Cargo-Look. Als Experten hat sich Young den amerikanischen Kriegsberichterstatter Mike Cerre mit an Bord geholt, gewissermaßen als „embedded tour reporter“.

Daneben stellt er persönliche Schicksale: Der junge Irak-Veteran Patrick Murphy kandidiert für die Demokraten, und eine allein erziehende „Gold Star Mother“ betrauert ihren im Irak gefallenen Sohn Ken. Patriotismus und Pazifismus schließen sich nicht aus. Politisch korrekter lässt es sich kaum gutmenscheln. Woodstock lässt grüßen.

Allmählich entsteht so ein Tableau der Pop- und der Protestgeschichte, bis man die Bilder kaum noch auseinander halten kann. Höhepunkt des Filmes ist ein Konzert in Atlanta, bei dem Young den Präsidenten auffordert, seinen Krieg zu beenden. Ein Teil des Publikums verlässt erbost den Saal. „Das Geld dieser sogenannten Anti-Kriegs-Tour geht doch nur in die Taschen von vier verlogenen alten Hippie-Millionären“, erregt sich ein Republikaner. „Déjà Vu“, der Film kommt vor allem viel zu spät. Bei der Betrachtung der Kampagne muss man unwillkürlich an eine aktuellere Kampagne denken: die des Kandidaten Barack Obama. Die Angriffe auf den Präsidenten Bush wirken schon jetzt veraltet. Bodo Mrozek

fsk am Oranienplatz, Kino in der Kulturbrauerei, Neue Kant Kinos (alle OmU)

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