Horror-Film : Zittern

85 Minuten ohne Späßchen, Mätzchen, Kinkerlitzchen, der spannende Horrorthriller „Motel“ von Nimród Antals.

Julian Hanich
Wilson
Luke Wilson. -Foto: Sony Pictures

Schauplatz: ein Motel irgendwo im amerikanischen Hinterland. Handlungszeit: eine Nacht bis zum buchstäblichen Morgen-Grauen. Personen: ein Ehepaar und drei maskierte Meuchler. Und sonst? Dass das Paar sich mit Beziehungsproblemen herumschlägt und unter panischer Todesangst zusammenrauft – geschenkt. Dass es um Überwachung und Snuff-Videos geht – registriert. Dass man eingeladen wird, sich zum Thema Voyeurismus Gedanken zu machen – okay. Die wichtigste Frage aber heißt: Knistert die Spannung? Und wie. „Motel“ ist packendes Kino der Angst, das sich geschickt auf dem schmalen Grat zwischen Psychothriller und Horrorfilm bewegt.

Es gibt in der Geschichte dieser beiden Genres nichts, was auch nur annähernd an Hitchcocks „Psycho“ heranreicht. Von „The Texas Chainsaw Massacre“ über „Halloween“ bis „Dressed to Kill“– um nur drei besonders prägnante Beispiele zu nennen – zieht sich eine Spur der Verwüstung, die bei Hitchcock ihren Anfang nahm. Auch der ungarisch-amerikanische Regisseur Nimród Antal, der mit seinem U-Bahn-Thriller „Kontroll“ (2003) das Interesse Hollywoods geweckt hat, erweist dem Klassiker seine Ehre. Das beginnt mit der Titelsequenz und hört beim Schauplatz des abgelegenen Motels nicht auf. Im Schatten von „Psycho“ entwickelt Antals Film einen Sog, als wäre er eine riesige Windmaschine auf Umkehrschub. Die rotierenden Blätter mögen sich zunächst etwas schwerfällig in Bewegung setzen – nach einer Stunde aber krallt der Zuschauer sich verzweifelt im Sessel fest, um nicht vollends vom Geschehen aufgesogen zu werden.

Höchst elegant etwa geht Antal mit den uralten Tricks des filmischen Katz-und-Maus-Spiels um. Und variiert souverän das Tempo zwischen rasendem Suspense und dem Terror atemloser Stille. Oder verengt den Raum bis zum Klaustrophobischen. Mit Kate Beckinsale und Luke Wilson in den Hauptrollen sind zudem zwei Schauspieler am Werk, denen die bodenlose Angst immer wieder überzeugend ins Gesicht geschrieben steht, was die Empathie zusätzlich beflügelt. „Motel“ ist reine Reduktion: 85 Minuten ohne Späßchen, Mätzchen, Kinkerlitzchen.

In zwölf Berliner Kinos; OV im Cinestar SonyCenter

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben