"I Was a Swissair Banker" : Auf Grund

Seltsam pubertär und selbstverliebt: Der Unterwasser-Film "I Was a Swissair Banker".

Kerstin Decker

Einen Film, so poetisch, so zart, als ob ein Schmetterling uns über die Wange streicht, wollte der Schweizer Regisseur Thomas Imbach machen. Ein Film, als ob eine Nacktschnecke uns langsam über die Wange kriecht, ist es geworden. Er hinterlässt eine feucht-schleimige Spur. Denn Roger (Beat Marti), auf provozierende Weise nichtssagend-gutaussehend, durchschwimmt die Schweiz vom Bodensee bis zum Genfer See. In den Bodensee ist der dynamische Jungbanker halbfreiwillig gesprungen, als eine Zollkontrolle auf ihn und seinen roten Geldkoffer aufmerksam wurde.

Unter Wasser sehen die Dinge dieser Welt ganz anders aus. Vom Grunde des Bodensees aus betrachtet, ist die Schweizer Bank nur eine Unwirklichkeit unter vielen. Den Geldkoffer hält Roger aber vorsichtshalber fest, schließlich verkörpert er seine Identität. Andererseits: Sollte Roger, plötzlich so wasserlöslich und frei, nicht die wahre Liebe suchen? Die wahre Liebe gibt es nur im Märchen, erklärt ihm eine böse Uferhexe. Da wäre es für Roger dann allerdings besser, flugs in den Job als Nebendarsteller des globalen Finanzwesens zurückzukehren als weiter Hauptdarsteller eines seltsam pubertär-selbstverliebten Films zu sein.

Die Hexen, Feen, Sirenen hat Imbach („Happiness is a Warm Gun“, „Lenz“) teilweise in Schweden beim Ping-Pong-Spielen gecastet, und über ein verbales PingPong so trüb wie der Genfer See kommen die Dialoge auch nicht hinaus. Da hilft es auch nicht, dass die Ping-Pong-Mädchen, wie sich ahnen lässt, allesamt Zweit- und Dritt-Identitäten des nassen Schweizer Bankers darstellen. Imbach hatte schon beim Drehen registriert, dass ein leichter märchenhafter Sommerfilm sich nicht unbedingt leicht drehen lässt, selbst wenn allen Beteiligten außerordentlich leicht zumute ist. Aus drei Wochen Drehzeit sind schließlich drei Jahre geworden, aber die einzig originelle Idee des Films war gleich zu Beginn da, nämlich der Titel: „I Was a Swiss Banker“. Die Vergangenheitsform. Kerstin Decker

Acud und Sputnik (OmU)

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