Internationale Filmfestspiele : In Locarno sind die Leoparden los

Nach Cannes und München geht die Reise für Filmfans nun ins schweizerische Locarno. Anfang August finden dort die 61. Internationalen Filmfestspiele statt. Um den mit 56.000 Euro dotierten Hauptpreis kämpfen auch deutsche Hoffnungen.

Peter Claus[dpa]

LocarnoDie Jagd auf den Goldenen Leoparden im schweizerischen Locarno kann beginnen: Im Wettstreit um den Hauptpreis des 61. Internationalen Filmfestivals treten vom 6. bis 16. August 17 Kinostreifen am Lago Maggiore gegeneinander an - darunter auch fünf deutsche Koproduktionen. Am Mittwoch gaben die Veranstalter das Programm des Festivals bekannt, das neben Cannes, Venedig und Berlin zu den wichtigsten in Europa gehört.

Weltstars wie Emma Thompson und Emily Mortimer aus Großbritannien oder Jeanne Moreau und Stéphane Audran aus Frankreich werden beim Filmfest erwartet, das von Regie-Legenden wie Charles Chaplin und Sergej Eisenstein ins Leben gerufen wurde. Die Veranstalter rechnen mit Hunderttausenden von Besuchern auf der mittelalterlichen Piazza Grande, die 8000 Zuschauer fasst und die größte Leinwand der Welt bietet. Dort werden im August neun Weltpremieren und sechs Regiedebüts zu sehen sein.

Hauptstadtporträt mit Corinna Harfouch

Zu den deutschen Hoffnungsträgern im Kampf um den mit 90.000 Schweizer Franken (rund 56.000 Euro) dotierten Hauptpreis gehört "Berlin Calling" von Hannes Stöhr, ein aufregendes Hauptstadtporträt mit Corinna Harfouch und DJ Paul Kalkbrenner. Daneben gehen die Deutschen mit "Nordwand" von Philipp Stölzl ins Rennen, einem Rückblick auf das Bezwingen der Eigernordwand im Jahr 1936.

Zu den deutschen Koproduktionen gehört auch das Regiedebüt des italienischen Schriftstellers Alessandro Bariccho, der sich in "Lezione 21" auf die Spuren von Beethovens Neunter Symphonie begibt. Mit "33 Szenen aus dem Leben" und "Yuris Tag" gehen außerdem eine deutsch-polnische und eine deutsch-russische Gemeinschaftsproduktion an den Start.

Neben Freiluftvorführungen auf der Piazza Grande wird Besuchern experimentelle Videokunst in der Sektion "Play Forward" geboten. Werke aus Argentinien und Frankreich dominieren die Rubrik "Cinéastes du présent", während unter dem Motto "Open Doors" das aktuelle Filmschaffen Lateinamerikas vorgestellt wird. In der Sektion "Ici & Ailleurs" ist auch Deutschland mit zwei Dokumentationen vertreten.

Ehrenleopard für Amos Gitai

Erste Preisträger des Filmfestivals stehen schon fest: Der israelische Regisseur Amos Gitai erhält einen Ehrenleopard für sein Schaffen, das als stilprägend für kritische Filmemacher aus seinem Land gilt. Der Raimondo-Rezzonico-Preis für Verdienste um das unabhängige Kino geht an die US-Produzentin Christine Vachon. Sie hatte 1999 den Welterfolg "Boys don't Cry" herausgebracht, der Hauptdarstellerin Hillary Swank einen Oscar einbrachte.

Die Retrospektive widmet sich dem Italiener Nanni Moretti. Neben seinem Kinohit "Liebes Tagebuch" von 1993 werden dreißig Filme von ihm und über ihn gezeigt. Den "Excellence Award" erhält die amerikanische Schauspielerin und Regisseurin Anjelica Huston ("Die Ehre der Prizzis").

Mit Spannung wird zudem erwartet, wer beim Festival als künstlerischer Leiter für 2009 vorgestellt wird. Anfang Juni war bekanntgeworden, dass Festivaldirektor Frédéric Maire vorzeitig aus seinem Amt ausscheidet, da er zum 1. November 2009 den Posten als Direktor des Schweizer Filmarchivs antritt. Für Locarno ist das ein herber Verlust - schließlich hatte Maire es geschafft, dass das Festival heute mehr denn je internationales Renommee genießt.

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