Interview mit Robert Harris : Abschied vom Ego

"The Ghost Writer"-Autor Robert Harris über seine Arbeit mit Roman Polanski.

Roman Polanski konnte nicht kommen, um „The Ghost Writer“ vorzustellen. Er darf die Schweiz nicht verlassen. Sie haben den Film mit ihm in seinem Chalet in Gstaad gesehen. War er zufrieden?



Ja. Der Film ist in jedem Detail so geworden, wie er es wollte, auch wenn die Postproduktion noch nicht abgeschlossen war, als er verhaftet wurde. Am Set wirkt Polanski oft sehr verschlossen, die Schauspieler fragen sich dann, ob er mit ihnen unzufrieden sei. Aber er konzentriert sich dann nur. Er hat genau im Kopf, wie ein Film werden soll. Die Zusammenarbeit mit ihm war sehr inspirierend. Als wir das Drehbuch schrieben, sagte er: Hier gibt es kein Ego. Natürlich hat Polanski ein großes Ego, aber beim Schreiben entscheidet er sich immer für die bessere Idee, nicht für das Ego. Wir haben uns tatsächlich kein einziges Mal gestritten in drei Jahren.

Waren Sie bei den Dreharbeiten?

Nur einen Tag. Ich wollte unbedingt Langs Haus sehen, das im Babelsberger Studio aufgebaut worden war. Es war seltsam, durch dieses Haus zu laufen, eine Kulisse, die wie ein echtes Gebäude aussah und genau meiner Imagination entsprach. Ich wusste, wo ich entlanglaufen musste, wo Langs Büro war und wo sein Schlafzimmer. An diesem Tag waren alle vier Hauptdarsteller am Set, sie spielten lange, dialogreiche Szenen. Ein Kammerspiel. Das war ein Triumph für mich, denn schon als Teenager hatte ich davon geträumt, Dramatiker zu werden.

Eigentlich hatten Sie mit Polanski Ihren Roman „Pompeji“ verfilmen wollen.

Als das Drehbuch fertig war, wurde den Produzenten das Projekt zu teuer. Noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, dass unser Buch verfilmt werden könnte. In zehn, zwanzig Jahren vielleicht. Es ist eine zeitlose Geschichte. Der Untergang von Pompeji erzählt etwas über unsere Dekadenz, die in die Katastrophe führt.

Adam Lang wirkt wie ein Alter Ego von Tony Blair. Sie gehörten einst zu Blairs Entourage, inzwischen halten Sie ihn für einen Kriegsverbrecher.

Der Irak-Krieg war ein schrecklicher Fehler, aber ob Blair ein Kriegsverbrecher ist, das müssen andere entscheiden. Der Ghostwriter ist ein Stück Fiktion, kein Porträt. Es ging nicht um das Ende einer Männerfreundschaft oder darum, Blair maliziös niederzumachen. Es gibt ja auch deutliche Unterschiede. Blair ist keine leere Hülle, kein Politiker-Darsteller wie Lang. Und er wird sehr stark von seinen religiösen Überzeugungen getrieben, was bei Lang fehlt.

Alle Ihre Bücher handeln von politischen Intrigen. Woher kommt diese Obsession?


Die Kluft zwischen einem öffentlichen Image und dem, was im Hintergrund wirklich passiert, ist ungemein spannend. Was ist ein Schriftsteller? Jemand, der von einer Sache fasziniert ist und immer wieder darüber schreibt, um ihr näherzukommen. Bei einigen ist es eine unglückliche Kindheit oder eine verlorene Liebe. Bei mir ist es Politik.

Tony Blair, haben Sie einmal gesagt, liest keine Romane. Wird er den Film sehen?

Keine Ahnung. Ins Kino gehen wird er wohl nicht. Aber vielleicht wird er irgendwann einmal bei einem Langstreckenflug der Versuchung nicht widerstehen.

– Interview: Christian Schröder

Robert Harris, 52, ist einer der erfolgreichsten Politthriller-Autoren der Welt. Berühmt wurde er mit „Vaterland“. Zuletzt arbeitete er an einer Trilogie über Ciceros Aufstieg und Fall.

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