Kino : Coppola zaubert emotionale Bilder

Poetische Zeitreise: Mit der Bestsellerverfilmung "Jugend ohne Jugend" feiert Francis Ford Coppola sein Regie-Comeback.

Oliver Zimmermann[ddp]

BerlinDominic Matei (Tim Roth) hat sich eine schwere Lebensaufgabe gestellt: Der rumänische Philologe will die Herkunft der Sprachen entschlüsseln. Doch die Zeit drängt. Matei hat das 70. Lebensjahr bereits überschritten. Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs geschieht ein Wunder: Durch einen Blitzschlag erhält der Akademiker seine Jugend zurück. Nun hat er wieder Zeit, die Arbeit zu vollenden. Während seiner Recherchen trifft er auf Veronica (Alexandra Maria Lara), die ihm einige skurrile Überraschungen beschert.

Zehn Jahre lang beschränkte sich Regielegende Francis Ford Coppola ("Der Pate") hauptsächlich aufs Produzieren - etwa bei "The Virgin Suicides" oder "Lost in Translation", den Werken seiner Tochter Sofia. Für "Jugend ohne Jugend» nahm Coppola wieder auf dem Regiestuhl Platz. Basierend auf dem gleichnamigen Buch von Mircea Eliade überrascht er dabei mit einem so anspruchsvollen wie poetischen Drama.

Umfangreiches Werk - auch cineastisch

Der Zeitraum, den "Jugend ohne Jugend" umspannt, reicht vom Zweiten Weltkrieg bis weit in die Nachkriegszeit hinein. Der Inhalt ist nicht minder umfangreich. So beginnt das Werk mit einer psychologischen Studie über die Vergänglichkeit der Zeit, spannt einen Bogen zum intellektuellen Superheldenepos und mündet in einer sakralen Abhandlung zum Thema Wiedergeburt. Auch Schizophrenie und die Menschenversuche im Nationalsozialismus werden angerissen.

Eine klare Linie lässt sich durch die Vielzahl der thematischen Fragmente kaum ausmachen. Es gibt unzählige Handlungsfäden, die sich nicht miteinander verknäueln wollen. Dementsprechend schwer haben es Hauptdarsteller Tim Roth ("Pulp Fiction") und die deutsche Exportaktrice Alexandra Maria Lara ("Der Untergang"), den Zuschauer mit der erschöpfenden Geschichte zu fesseln. Lara durfte nach "Offset" immerhin zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit einen Film in ihrem Geburtsland Rumänien drehen.

Beeindruckende Bilder

Wesentlich beeindruckender als Inhalt und Darsteller sind die Bilder, in die Coppola seine lyrische Leinwandrückkehr taucht. Einzelne Landschaftsaufnahmen und Einstellungen ließen sich mit der Kamera einfrieren und in einer Fotoausstellung präsentieren. Die emotionalen Bilder bleiben stärker haften als der Plot.

Coppola hat sich sein Comeback nicht leicht gemacht. "Jugend ohne Jugend" ist ein prachtvoll bebildertes, zugleich aber auch unorthodox erzähltes, thematisch ausuferndes und somit schwieriges Drama. Doch gerade deshalb passt es vorzüglich zu dem fünffachen Oscarpreisträger. Wer zuvor mit "Der Pate" und "Apokalypse Now" für Aufsehen sorgte, gibt sich nach einer zehnjährigen Schaffenspause nicht mit einem konventionellen Selbstläufer zufrieden. (dm/ddp)

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