Kino: "Ein Teil von mir" : Jonas, 16, Vater

Der Film „Ein Teil von mir“ erzählt die Geschichte eines eines 16-jährigen Vaters - nicht als Haudrauf-Sozialdrama, sondern als langsame Annäherung.

Martin Machowecz

Erinnerst du dich an mich, fragt sie. Katrins Fete, klar, sagt er. Die war echt krass, sagt sie. Viel Alk, sagt er, ich dachte, mir platzt der Schädel.

Dann gibt sie ihm einen Brief, und Jonas erfährt, dass er jetzt Vater werden muss. Er ist 16.

„Ein Teil von mir“ heißt der erste Langspielfilm von Christoph Röhl, Absolvent der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Röhl, selbst Vater geworden während der Arbeiten am Drehbuch, sagt, er habe damals gemerkt, dass man vor der Vaterwerdung keine Angst haben muss. Zum Glück.

Denn so ist „Ein Teil von mir“ kein Haudrauf-Sozialdrama geworden – über die Horrorvorstellung verrohter junger Menschen, dass ihnen ein ungeplantes Kind Glück und Partys auf ewig ruinieren könnte. „Ein Teil von mir“ ist ein Film über einen jungen Kerl, der sich, langsam, seinem Kind nähert, der es quälend ewig nicht wagt, diese Liebe zuzulassen. Am Ende aber überwältigt ihn die Liebe zur Kleinen doch. Der Drehort macht den Film zum Märchen – Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt, eine Stadt zerfallen-renovierter Romantik, klein genug für zufällige Begegnungen.

Viel Kitsch und plakative Szenen hätte man sich sparen müssen

Das alles funktioniert auch, weil Ludwig Trepte, geboren 1988, den Jonas ohne große Zappelei spielt. Sondern er lässt sich, einfach so, die Anspannung anmerken, die jemand eben fühlt in dieser Situation. Viel Kitsch und plakative Szenen wie die, in der Jonas sich im Bett wälzt, hätte man sich dagegen sparen können. Sparen müssen.

Eines Tages aber, das Kind heißt da schon Klara, beginnt Vicky, von der tollen Hallenserin Karoline Teska gespielt, immer wieder bei Jonas vorstellig zu werden. Sie zwingt ihn mit Tricks – und in auch witzigen Dialogen – zum Babysitten. Damit er Verantwortung übernimmt, für sein Leben und für seine Tochter. Sie will keine Alimente. Sie will, notfalls mit Penetranz, ihrer Tochter schenken, was sie selbst nicht hatte: den Vater. Jonas wehrt sich lange, und so ist seine Vaterwerdung auch eine Menschwerdung. Aus einem, der immer tat, was seine Gluckenmutter richtig fand, wird langsam – ein Kerl. Martin Machowecz

- Babylon Mitte, Cinemaxx, Sputnik

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