Kino: "Evet, ich will" : Ran an die Braut

„Evet, ich will“ ist eine deutsch-türkische Heiratskomödie der härteren Art. Mit Dirk, Özlem und ihren Familien prallen die unterschiedlichsten Kulturen in Berlin aufeinander.

Daniela Sannwald

Hochzeiten und deren Vorbereitung geben schon seit Beginn der Filmgeschichte Komödienstoff her, denn bereits die Grundkonstellation – die Zusammenführung zweier Familien – hat es in sich: Verwandtschaft entsteht aus dem Nichts heraus, und nur weil Braut und Bräutigam einander zugetan sind, geht es dem Rest der Sippschaft nicht zwangsläufig auch so. Und wenn schon die Vorstellung der künftigen Lebenspartner bei den Eltern schwierig ist, wie viel mehr Risiken birgt dann das erste Treffen beider Elternpaare! Zu schweigen von Geschwistern, den zukünftigen Schwagern und Schwägerinnen, die ihrerseits ein Wörtchen mitreden wollen. Die praktische Vorbereitung des Hochzeitsfestes wird unter diesen Umständen zur ersten Belastungsprobe der erst zu schließenden Ehe.

Komödienregisseure und -drehbuchautoren lieben das Sujet, weil sämtliche Missverständnisse zum glücklichen Ausgang führen. Bis dahin ist ihnen jede Möglichkeit gegeben, Intrigen und Eifersucht, Abgrenzung und Neid, Peinlichkeiten und Hysterie lustvoll zu inszenieren.

Alle Vorurteile kommen auf den Tisch

Der bisher für seine Drehbücher und Kurzfilme bekannte Sinan Akkus legt mit seinem Spielfilmdebüt „Evet, ich will“ einen nahezu perfekten Start als Komödienregisseur hin. Er thematisiert, wie der Filmtitel bereits andeutet, den Zusammenprall von Kulturen in Berlin, etwas härter als üblich, weil seine heiratswilligen Heldinnen und Helden eher ungewöhnliche Paare bilden: Die Studenten Dirk und Özlem haben einander an der Uni kennengelernt, und nun sollen Dirks Hippie-Eltern bei Özlems Familie mit den richtigen Worten um deren Hand anhalten, um der Form zu genügen. Schön wäre auch, wenn Dirk zum Islam übertreten könnte. Der Radiomoderator Coskun, Sohn eines türkischen Intellektuellen, will seine Kollegin Günay, die aus einer streng muslimischen kurdischen Familie stammt, heiraten. Der Automechaniker Emrah ist schwul und möchte seinen Freund Tim endlich der Familie präsentieren, die allerdings gerade eine Hochzeit mit der Tochter eines Bekannten arrangiert. Und schließlich gibt es noch den aus der östlichen Türkei angereisten Salih, der eine deutsche Braut sucht, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen.

Sinan Akkus, der sein eigenes Drehbuch schrieb, hat all diese Geschichten parallel inszeniert, steigert Tempo und Dramatik zu mitunter grotesken Szenen, etwa wenn Heinrich Schafmeister als Dirks Vater immer wieder über die vorgeschriebene Formel des Heiratsantrags stolpert, während seine Frau (Ingeborg Westphal) zur Feier des Tages ein Kopftuch umgebunden hat, was bei den Gastgebern zu äußerstem Befremden führt. Oder wenn die sorgfältig platzierten Hinweise auf Emrahs Homosexualität seinem Vater immer neuen Anlass zu Schwulenwitzen geben. Alle Vorurteile, die über irgendeine der repräsentierten Gruppen kursieren, kommen bei Sinan Akkus auf den Tisch, und niemand kommt besonders gut dabei weg. Am Ende aber werden alle Widersprüche in Tränenflüssigkeit aufgelöst, und auch damit ist Akkus dem Genre treu geblieben.

- Alhambra, Babylon Kreuzberg, Broadway, Cinemaxx Potsdamer Platz, Karli, Kino in der Kulturbrauerei

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