Kino: "G-Force" : Quiek!

Computeranimierte Meerschweinchen trappeln in „G-Force“ auf Bonds Spuren. Der Gag ist spätestens nach einer halben Stunde abgenutzt, Herz fehlt dem Film vollständig.

Martin Schwickert
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Pelzige Nager beim FBI. An "Ratatouille" reicht "G-Force" nicht heran. -Foto: ddp

Man kann sich vorstellen, wie die Drehbuchautoren von „G-Force“ dem Produzenten Jerry Bruckheimer und seinen Buchhaltern das Projekt schmackhaft gemacht haben: „Stellen Sie sich vor: ,Mission Impossible’ – nur mit Meerschweinchen! Wenn ein Bruchteil aller jungen Nagetier-Besitzer und deren machtlose Eltern in die Multiplexe strömen, dann können Sie die Gewinne mit der Schubkarre nach Hause fahren.“

Die Rechnung ging auf. Allein in den USA haben die computeranimierten Kleintiere bisher über 107 Millionen Dollar eingespielt. Die friedliebenden Nager – so will es die dürre Geschichte – werden in einem FBI-Geheimprojekt zu einer „Special Force“ herangezogen. Aber die grauen Herren aus der Zentrale wollen das Pilotprojekt schließen, gerade als die Meerschweinchen einem globalen Komplott auf der Spur sind. Der Großindustrielle Leonard Saber (Bill Nighy) strebt mit einem Super-Chip, der Haushaltsgeräte in Kampfroboter verwandelt, nach der Weltherrschaft, und die suspendierten Kleinagenten kämpfen nun eben außerdienstlich gegen den finsteren Intriganten. Vom oberschlauen Leiter der Einheit Darwin, über den Hightech-Maulwurf Speckles und die Kampfamazone Juarez bis zum Witzknilch Hurley wurde die Meerschweinchen-Crew streng nach den Genrevorgaben des Agentenfilmes bestückt und mit allerhand technischen Spielereien ausgerüstet.

Der Gag allerdings, dass die pelzigen Freunde auf Bonds Spuren trappeln, ist spätestens nach einer halben Stunde abgenutzt. Um die Action-Pulsfrequenz zu halten, werden alsbald gar Kaffeemaschinen zur mörderischen Waffe – eine wenig originelle „Transformers“-Variante ohne Altersfreigabe-Beschränkungen. Vor allem aber fehlt „G-Force“, wie vielen seiner Artgenossen aus den CGI-Zuchtbetrieben, das Herz. Mit den Leidenschaften der Gourmet-Ratte Remy in „Ratatouille“ hat man mitgefiebert; die Meerschweinchen entwickeln nicht genügend emotionale Bindungskraft.

- In 20 Berliner Kinos

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