Kino: "Gangs" : Tanz dich frei

Ein surreal entrücktes Berlin, pubertäre Gefühlsausbrüche, ein verzweifeltes „Männerbesäufnis“ des bubengesichtigen Helden und belustigende Kampfszenen mit einer Gruppe Asiaten - das ist der Jugendfilm "Gangs".

Maris Hubschmid
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Um die Darsteller in das Milieu gewalttätiger Straßenbanden zu verpflanzen, verpasst Regisseur Rainer Matsutani ihnen wuchtige...Foto: Buena Vista International

Irgendwie hat man alles schon mal gesehen. Den Jungen aus sozial schwachen Verhältnissen, der sich in das wohlbehütete Ballett-Sternchen verliebt, in „Save the last Dance“. Die Tochter, die wider Willen den Traum der Mutter lebt, in „Center Stage“. Das Bandengehabe der Großstadtkids in „Knallhart“. Trotzdem lässt sich schwer sagen, was „Gangs“ eigentlich sein will. Da sind kunstvolle Bilder einerseits, die ein surreal entrücktes Berlin zeigen, es in malerische Farben tauchen und eine beschränkte, vorhersehbare Handlung andererseits, die sich plattester Klischees bedient.

Flo (Jimi Blue Ochsenknecht) ist Mitglied der Motorradgang „Rox“. Deren Anführer, Flos älterer Bruder Chris (Wilson Gonzales Ochsenknecht) hat eben den ersten Knastaufenthalt hinter sich, da verlangt der gefährliche Rico (Christian Blümel), Kopf der rivalisierenden „Killaz“, 30.000 Euro für einen geplatzten Drogendeal zurück. Ein Überfall soll das Geld einbringen. Flo ist unwohl dabei. Gerade hat er Sophie (Emilia Schüle) kennengelernt, kultiviert und aus reichem Elternhaus, die beste Chancen hat, eine erfolgreiche Tänzerin zu werden.

Die Kinder wirken verkleidet und fehl am Platz

Nicht nur Sophies Mutter ist gegen die Verbindung. Chris fürchtet, dass Flo sich von ihm entfernt und erzwingt eine Entscheidung: Flo soll die Freundin bestehlen, um die Gang zu retten. Es folgen diverse pubertäre Gefühlsausbrüche, ein verzweifeltes „Männerbesäufnis“ des bubengesichtigen Helden an der Bar und mehr belustigende als beängstigende Kampfszenen mit einer Gruppe Asiaten.

Um die Darsteller, die überwiegend der Besetzung von „Die Wilden Kerle 1–5“ entsprungen sind, in das Milieu gewalttätiger Straßenbanden zu verpflanzen, verpasst Regisseur Rainer Matsutani ihnen wuchtige Gangsteroutfits, Lederjacken und Silberketten. Die Kinder wirken verkleidet und fehl am Platz. Verloren in einem blassen Patchworkfilm, irgendwo zwischen „West Side Story“ und „Pünktchen und Anton“.

- In 17 Berliner Kinos

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