Kino: "LOL" : Kuscheln?

Wenn man den französischen Film "Lol" im Kinos sieht, möchte man ab und zu dringend wieder 16 Jahre alt sein - so wie Lola, die zur coolsten Clique der Schule gehört und für die dennoch alles drunter und drüber geht.

Lea Hampel
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Sophie Marceau (o.): Mit 13 Jahren wurde sie in "La boum - Die Fete" zum Star. In "Lol" wechselt sie zur Rolle der Mutter. -Foto: dpa

„Alle anderen sind Statisten“, sagt Lola (Christa Theret): eine prägnante Zusammenfassung ihres Lebensgefühls. Lola, die von ihren Freunden nur „Lol“ genannt wird, gehört zur coolsten Clique der Schule, ist mit Arthur (Félix Moati), dem coolsten Typen der Schule, zusammen und hat die coolsten Mädchen als Freundinnen. Die Welt ist perfekt, bis das neue Schuljahr beginnt. Arthur hat sie in den Ferien betrogen, in ihrem Bauch kribbelt es, wenn sie an ihren besten Freund Maël (Jérémy Kapone) denkt und ihre getrennten Eltern schlafen heimlich wieder miteinander.

Das Leben ist, wie es mit 16 zu sein hat, ein endloses Hintereinander aus Schulstunden, Parties und tiefgründigen Gesprächen. Weil die jungen Menschen in „Lol“ zudem noch angezogen sind, als wären sie Stammkunden der amerikanischen Hipster-Bekleidungskette „American Apparel“, perfekt verwuschelte Frisuren haben und nie um einen Spruch verlegen sind, möchte man ab und zu dringend wieder 16 Jahre alt sein. Man möchte wie Lola über Mitschülerinnen lästern, auf der Schultoilette knutschen und im Unterricht Zettel schreiben.

Aber eben nur hin und wieder. Denn das Leben von Lola und ihren Freunden ist dann doch wieder gerade so aufregend, dass es im Schnitt drei Mal täglich ins Anstrengende kippt. Und erinnert daran, was 16 sein auch bedeutet: über Ausgehabende zu diskutieren, Angst vor Zeugnissen am Schuljahresende, Debatten, ob Stringtangas und Kondome ins Reisegepäck dürfen und vor allem: alles und jeden aufregend zu finden.

Dass „Lol“ trotz des gewollt jugendlichen Titels, der sich auf die in SMS-Mitteilungen verwendete Abkürzung für „laughing out loud“ bezieht, auch für Menschen jenseits der Zwanzig interessant ist, liegt daran, dass es in „Lol“ mindestens so sehr um die Eltern geht. Alle haben sie Erwartungen gegenüber ihren Kindern, denen sie selbst nicht gerecht werden. Ihre Kinder zwingen sie, ihr eigenes Wertesystem infrage zu stellen.

Das zeigt vor allem Sophie Marceau als Mutter von Lola. Einerseits versucht sie, in Sachen Coolness mit ihrer Tochter mitzuhalten und ihr eine Freundin zu sein – sie leiht der Tochter ihre Cashmere-Pullover aus, erlaubt Parties im Haus und schickt nach Streitigkeiten SMS-Mitteilungen mit der Frage „Kuscheln?“. Und kann doch nicht aus ihrer Rolle als Mutter heraus, wenn sie merkt, dass zum Erwachsenwerden der Kinder ein Loslassen gehört, das eine gehörige Portion Vertrauen in die bisher erfolgte eigene Erziehungsleistung erfordert.

In 13 Berliner Kinos, OmU im Cinema Paris und Filmtheater am Friedrichshain

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