Kino : Streich für Streich: Die "Yes Men" retten die Welt!

Filme erzählen nicht nur die Grausamkeiten des Lebens, sie sind auch imstande, etwas dagegen zu unternehmen. Im Fall des auf der Berlinale präsentierten Films "The Yes Men Fix The World" dokumentieren die Politkunst-Aktivisten Mike Bonanno und Andy Bichlbaum mit viel Witz ihren Kampf gegen Globalisation und Ungerechtigkeit.

Julian Mieth
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Die "Yes Men": Andy Bichlbaum und Mike Bonanno fälschten im November 2008 die New York Times. -Foto: Promo

Klimawandel, Umweltkatastrophen und gierige Global Player - die Welt geht zugrunde und Superhelden sind leider nicht in Sicht. Wie schön, dass es da zwei scheinbar unermüdliche Weltverbesserer wie Mike Bonanno und Andy Bichlbaum gibt, die "Yes Men". Die beiden Hochschulprofessoren aus New York nehmen die Identitäten von Wirtschaftsvertretern an und entlarven mit ihren ganz wunderbar abstrusen Performances die absurde Logik ökonomischen Kalküls.

Hilflos im Weltgeschehen

In ihrem neuen Film "The Yes Men Fix The World" stellen die Mittvierziger die Aktionen der vergangenen Jahren vor. Seit ihrem ersten Film "The Yes Men" sind mittlerweile gut sechs Jahre vergangen und es hat sich einiges an Material angesammelt.

Der Film ist ein herrlich befreiendes Stück Wirklichkeit ob der vermeintlichen eigenen Hilflosigkeit im großen Weltgeschehen. Und wer nicht weinen muss, wird viel zu lachen haben. Mit viel Witz machen die "Yes Men" global zusammenhängende Probleme deutlich und erklären, wie sie auf ihre abstrusen Ideen stoßen und diese umsetzen. Dass sie dabei auch mit allerlei Selbstzweifeln zu kämpfen haben, wird nicht ausgelassen.

Die Sprache der Mächtigen

Kennen gelernt haben sich die "Yes Men" erst kurz vor gut zehn Jahren, erste größere Aktionen haben sie um 2000 herum erprobt: Auf einer Salzburger Konferenz stellten sie vor begeistertem Publikum Konzepte zur Wiedereinführung der Sklaverei vor, lobten nebenbei Hitlers Wirtschaftspolitik und plädierten für den Handel mit Wählerstimmen. Dass sie damit ungescholten davon kamen, war erstaunlich.

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Styling, Powerpoint und Arroganz: Bonanno und Bichlbaum beherrschen glaubwürdige Auftritt. -Foto: Promo

Die "Yes Men" beherrschen Sprache und Auftreten der Branche perfekt. So sehr, dass sie meist ausreden können und sogar Fragen beantworten. Korrektes Styling, Powerpoint-Präsentationen mit aufwändigen 3D-Animationen und blasierte Arroganz verleihen den irrsinnigen Konzepten den letzten Schliff an Glaubwürdigkeit.

Wie schon im ersten Film "The Yes Men" von 2004 reiht sich Streich für Streich aneinander, neuerdings jedoch in einer etwas bemühten Rahmenhandlung eingebettet: Zwischenzeiliges läuft auf der Mattscheibe eines alten Fernsehers, auf den Bonanno und Bichlbaum mal in einer alten Lagerhallen, mal bis zur Brust im Sumpf steckend starren. Auch die Wasserballett-Einlagen tragen nicht gerade viel zu einem tieferen Verständnis bei.

Im Vorläuferfilm verzichteten die Yes-Männer noch zugunsten nüchterner Kommentare. Das war dokumentarischer und ernster, dadurch aber auch irgendwie lustiger, kontrastreicher. Aktionen und Film kämpfen nun teilweise gleichzeitig um die Gunst des Zuschauers. Möglicherweise liegt das auch an der Verstärkung durch den Dokumentarfilmer Kurt Engfehr, der auch schon zwei Filme mit Michael Moore schnitt und co-produzierte.

Durch und durch gutmenschlerisch

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Bichlbaum im Live-Programm der BBC: Eine halbe Stunde nach Ankündigung einer Entschädigungszahlung für die Opfer des...Foto: Promo

Natürlich können solche Petitessen dem gutmenschlerischen Grundton von "The Yes Men Fix The World" nichts anhaben. Wie auch: immerhin versuchen hier zwei die Welt zu retten. Dass sie auf ihrer Mission mit herzlich sympathischer Naivität gegen die großen Mühlen der Wirtschaft anstürmen und es damit sogar vor ein 300 Millionen Publikum schaffen - wie im Fall eines BBC-Interviews -, verschafft Respekt. Weitaus mehr, als man sich wohl selbst angesichts seiner eigenen Tatenlosigkeit zugestehen kann.

Lohnenswert ist "The Yes Men Fix The World" allemal. Neben subtiler Unterhaltung bietet der Film auch reichlich Raum für Selbstreflexion. Steckt nicht in jedem von uns ein kleiner Weltverbesserer? Dass Dokumentarfilme nicht zwangsläufig langweilig sein müssen, liegt zum einen am Thema; in diesem Fall ist den Ja-Sagern jedoch ein überaus abwechselungsreiches, komisches und spannendes Abenteuer gelungen, das zudem ganz der Wahrheit entspricht. Wenn die Thematik nicht so ernst wäre: Man würde laut 'mehr' rufen wollen.

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