Kino : US-Publikum enttäuscht Ballhaus

Der oscar-gekrönte Hollywood-Kameramann Michael Ballhaus ist vom Filmgeschmack der US-Amerikaner enttäuscht. Das Publikum in den USA sei dadurch verdorben, dass man ihnen immer das Leichteste vorgesetzt habe.

Cordula Dieckmann[dpa]
Michael Bauhaus
Mit allen wichtigen Regisseuren gearbeitet: Der Kameramann Michael Ballhaus. -Foto: ddp

München Ballhaus, einer der erfolgreichsten Kameramänner der Welt, hat diese Einschätzung nach einer 25 Jahre währenden Schaffensphase gezogen, die er in den USA verbracht hat. Nun möchte er nach Deutschland zurückgekehren. "Man ist immer nach dem Geschmack der Zuschauer gegangen und hat nicht versucht, sie auch ein bisschen zu formen." Der seit rund einem Jahr wieder in Berlin lebende Ballhaus ist Jurypräsident des Studentenfestivals. Zum Abschluss an diesem Samstag werden insgesamt zehn Preise verliehen.

Von den Nachwuchsregisseuren in Deutschland zeigte sich Ballhaus beeindruckt. "Das wenige was ich vom deutschen Film kenne und gesehen habe, macht mich sehr mutig." Manche dieser Werke seien zwar nicht sehr erfolgreich. "Aber nach und nach merken die Zuschauer, dass es in Deutschland Filme gibt, die nicht nur unterhalten wollen, sondern in denen es auch um etwas anderes geht."

Deutsche Regisseure machen persönliche Filme

Die Regisseure in Deutschland hätten ein Interesse, persönliche Filme zu machen, sagte Ballhaus. "In Amerika geht es auch viel darum, einen erfolgreichen Film zu machen, weil das bedeutet, dass man wieder den nächsten Job bekommt." So müsse man mit bestimmten Stars zusammenarbeiten oder einen Bestseller verfilmen. "Alles Dinge, die einen gewissen Erfolg garantieren - und das sind vielleicht nicht immer die Lieblingsprojekte der Regisseure", so der 72-Jährige. Einen Grund für diese Entwicklung sieht er in den enormen Kosten, die durch die Gagen berühmter Schauspieler in die Höhe getrieben würden. "Die Filme mit den großen Stars kosten meistens zwischen 70 und 100 Millionen Dollar. Das ist viel Geld, da müssen schon viele Leute ins Kino gehen, um das wieder reinzukriegen."

Auch in Deutschland will Ballhaus weiterhin Filme machen. Im kommenden Jahr werde er einen Film über seine Heimatstadt Berlin drehen, bei dem er auch Regie führen werde. Ein zweites Vorhaben dämmere schon länger in der Schublade und habe nun 2008 gute Chancen, endlich realisiert zu werden. "Das ist mein seit vier Jahren geliebtes Projekt über Antonio Vivaldi. Peter Schneider hat ein sehr gutes Drehbuch geschrieben und Volker Schlöndorff wird Regie führen." Es sei kein biografischer Film, da es nur sehr wenige Notizen über Vivaldis Leben gebe. "Es war sehr viel Freiheit, diese Lücken zu füllen mit einer dramatischen, schönen Geschichte."

Zusammenarbeit mit den Besten

Auf die Arbeit mit Schlöndorff freue er sich. Ansonsten habe er mit allen Regisseuren gedreht, mit denen er zusammenarbeiten wollte. "Und das waren die besten in Amerika, deswegen bin ich da eigentlich sehr zufrieden", sagte Ballhaus, der für Regisseure wie Martin Scorsese, Robert Redford, Mike Nichols oder Francis Ford Coppola hinter der Kamera gestanden hat. (mit dpa)

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