Kino : Wo sind nur die Weihnachsfilme geblieben?

Im Fernsehen können wir uns jedes Jahr darauf verlassen, dass Klassiker wie "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" oder "Die Weihnachtsgeschichte" im Programm sind. Im Kino laufen für gewöhnlich auch Filme, die Stimmung aufs Fest machen sollen - nicht in diesem Jahr.

Roland Erkrath[ddp]
Aschenputtel
Auf Weihnachtsfilme muss der Kinogänger in diesem Jahr verzichten. -Foto: dpa

BerlinSind Weihnachtsfilme out? Während in den Vorjahren in der Adventszeit meist jeweils eine Handvoll Filme mit direktem Bezug zum Weihnachtsfest in den Kinos anliefen, findet sich in diesem Jahr nur ein einziger weihnachtlicher Spielfilm in den Spielplänen. In der US-Komödie "Mein Schatz, unsere Familie und ich" geben Reese Witherspoon und Vince Vaughn zwei Yuppies, die das hohe Fest lieber auf den Fidschi-Inseln verbringen als bei ihren langweiligen Familien.

Kino-Experte Andreas Kramer sieht eine Ursache für die Weihnachtsfilmflaute in dem Trend, dass die herkömmlichen Grenzen zwischen den Filmgenres sich zunehmend auflösen. "Deshalb wird es schwieriger, ein Thema wie Weihnachten im Kinofilm zu transportieren", sagt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Verbands HDF Kino. "Filme sind in ihrer Emotionalität heutzutage so weit gestreut, dass sie überall hinpassen", so Kramer. Eine spezifische Weihnachtsstimmung füge sich nur schwer in diese universelle Ausrichtung. In Deutschland allerdings hat nach Ansicht Kramers die Weihnachtstradition "einen hohen Stellenwert". Das sei eine Chance für die deutschen Filmproduzenten, die nur geeignete Sujets finden müssten.

Bei Weihnachtsfilmen bleiben die Kassen leer

Angesichts der aktuellen Weihnachtsfilmflaute liegt die Vermutung nahe, dass die Produzenten und Verleiher in den Vorjahren so schlechte Ergebnisse eingefahren haben, dass sie lieber die Finger von Weihnachtsstoffen lassen. Das Kasseneinspiel der Weihnachtsfilme im Jahr 2007 zeigt aber ein so uneinheitliches Bild, dass der kommerzielle Aspekt nicht die einzige Erklärung sein kann. Denn die deutsche Komödie "Meine schöne Bescherung" mit Martina Gedeck und Heino Ferch lockte beachtliche 228.000 Besucher vor die Leinwände, während "Mr. Magoriums Wunderladen" mit Dustin Hoffman sich mit rund 166.000 zahlenden Kinogästen zufrieden geben musste. Dagegen erwies sich "Die Gebrüder Weihnachtsmann" Paul Giamatti als Santa Clause mit fast 50.000 verkauften Tickets als Flop.

Bei deutschen Kinobetreibern findet das Phänomen ein geteiltes Echo. Die Kinobesitzerin Margarethe Papenhoff aus dem nordrhein-westfälischen Mettmann bedauert vor allem, da es in diesem Jahr keine neuen Weihnachtsfilme für Kinder gibt. Sie tröstet sich damit, dass am ersten Weihnachtstag immerhin zwei große Erzählfilme wie "Australia" und "Buddenbrooks" anlaufen, die sich an Erwachsene richteten und dem Bedürfnis nach familienfreundlicher Unterhaltung entgegenkämen.

Dagegen kann Angela Wilde aus Köln auf spezifische Weihnachtsfilme verzichten. Für die Betreiberin des "Odeon"-Kinos steht schon jetzt fest, dass sie den französische Kassenknüller "Willkommen bei den Sch'tis" so lange wie möglich im Programm hält. Wilde: "Das wird unser Weihnachtsfilm."

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