Klaus Kinski : Berliner Eklat als Filmdokument

Es war eine "grandios gescheiterte Bühnenpredigt" - Klaus Kinskis im Tumult endender Versuch im November 1971, vor mehreren tausend Zuhörern in der Berliner Deutschlandhalle als "Jesus Christus Erlöser" seine Version des Neuen Testaments vorzutragen. Was bisher nur als Audiomitschnitt des Abends erhältlich war, gibt es jetzt als Filmdokument.

BerlinDer 31-jährige Sohn Nikolai Kinski, der seit einiger Zeit mit Gedichten seines Vaters tourt, sprach von einem "wahnsinnig spannenden und ehrlichen Dokument". Man sehe seinen Vater "ohne Inszenierung", weil etwas passiere, das er plötzlich nicht mehr im Griff habe.

Die Zuschauer hatten Kinski immer wieder mit spöttischen Zwischenrufen unterbrochen und tobten, als Kinski von einem Ordner einen diskussionswilligen Zuhörer von der Bühne werfen ließ - später warf der "Star" wutentbrannt auch das Mikrofon samt Ständer in das Publikum. Es war noch die debattierwütige Zeit der Jahre unmittelbar nach der 68er Jugendrevolte, die einem Schauspieler, der sich auf seine 30 Seiten Text konzentrieren wollte, verständlicherweise sichtlich zu schaffen machte.

Rufe wie "Faschist", "Psychopath" und "Entschuldige dich!" beantwortete Kinski mit Ausfällen wie "Du dumme Sau!" oder "Scheiß Gesindel!". Dazu meinte sein Sohn, auch nach eigenen Erfahrungen auf seiner Vortragstournee befragt, die Zeiten hätten sich geändert, "heute herrscht ein anderer Umgang miteinander".

Der berührendste Moment des Films ist der Epilog als "Nachspiel im Berliner Drama", wenn Kinski schließlich bis in die tiefen Nachtstunden vor einer Hundertschaft andächtig lauschender Fans seinen gesamten Bibel-Text schließlich doch noch vortragen kann. In seiner Autobiografie schrieb der Schauspieler darüber später: "Das ist ja wie vor 2000 Jahren. Dieses Gesindel ist noch beschissener als die Pharisäer. Die haben Jesus wenigstens ausreden lassen, bevor sie ihn angenagelt haben." (ps/dpa)

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