Kömodie : Mutter ist die Beste

Tolle Idee, tolles Ensemble – und doch nicht tollkühn genug: Bei Vanessa Jopps neuer Komödie „Meine schöne Bescherung“ springt der Funken trotz Stars wie Heino Ferch und Martina Gedeck nicht über.

Julian Hanich
Martina Gedeck
Stars, die hinter ihrem Potential zurückbleiben: Martina Gedeck und Heino Ferch. -Foto: ddp

So soll es sein, das Weihnachtsfest: besinnliche Feier, trautes Heim, nur bloß keine Überraschungen, noch dazu seitens der eigenen Ehefrau! Doch als wäre die zähneknirschende Hinnahme der Schwiegermutter nicht schon genug Beweis christlicher Opferbereitschaft, stehen plötzlich sämtliche Ex- und Exex-Partner der Gattin plus neuem Anhang vor der Tür. Gerade noch will der eher sanfte Psychologe Jan (Heino Ferch) gegen derlei halbinzestuösen, verschwiegert-verschwägerten Verwandtschaftswirrwarr unterm Christbaum zaghaft Einspruch erheben, da ruft ihm seine Gattin Sara (Martina Gedeck) schon aufmunternd entgegen: „Jan, jetzt komm, es wird bestimmt lustig.“ Oh, nein!

Die triftige Idee des schwedischen Filmes „In Bed with Santa“ (1999), das ganz normale Chaos der Patchworkfamilie einmal zum Ausgangspunkt einer weihnachtlichen Komödie zu machen, greift Vanessa Jopp in „Meine schöne Bescherung“ nun unter deutschen Vorzeichen auf. Schließlich sind Familienfeiern immer gut für herzhafte Lacher, zumal wenn sich die Idealvorstellungen des Festes der Liebe mit Aplomb ins Gegenteil verkehren. Auch Jopps erste Komödie hätte das Zeug, aus voller Brust den komischen Gefühlskanon menschlicher Niedertracht zu intonieren – von Eifersucht, Gier, Misstrauen über Wut, Neid, Hass bis zur aggressiven Schadenfreude.

Leider spielt die Regisseurin, die sich mit überzeugend ernsten und sogar schwermütigen Filmen profilierte, diese Trümpfe zu selten aus. Zwar hält der Film schöne Wendungen und Überraschungen bereit, und auch der Schluss gerät – endlich! – so überdreht, wie man sich das gesamte Werk gewünscht hätte. Nur ist es eben insgesamt nicht richtig gemein geraten, nicht richtig flott und nicht richtig überzogen. Und so wirkt das gemeinschaftliche Bemühen der Schauspielschar im Ergebnis nicht wesentlich boshafter als ein Samstagabend mit „Verstehen Sie Spaß?“

Noch etwas: Das fraglos gut bestückte Ensemble – darunter Jasmin Tabatabai, Meret Becker und Alexandra Neldel – erscheint nicht optimal besetzt. Heino Ferch etwa wirkt auch hier eher physisch als komisch, der grandiose Komiker Matthias Matschke wiederum spielt sein Potenzial nur in Ansätzen aus. Schade, denn gerade Komödien bauen auf genaue Gesten und gut getimte Dialoge.

In 17 Berliner Kinos

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