Komödie 3 : Total kaputt

Yes, we can! Und was, wenn nicht? Der norwegische Film "Die Kunst des negativen Denkens" beantwortet die Frage klar und politisch unkorrekt.

Martina Scheffler
Saheim
Fridjov Saheim als Geirr. -Foto: Koolfilm

Wenn dich irgendetwas oder irgendjemand fertigmacht und das Leben nur noch zum Wegwerfen taugt, dann – rauslassen, rausschreien, kaputt machen, was dich kaputt macht.

In der norwegischen schwarzen Komödie ist es der nach einem Unfall im Rollstuhl sitzende Geirr, der nicht mehr mit sich, seiner Behinderung und seiner mitleidig-verständnisvollen Frau Ingvild klarkommt. Sie lädt eine scheinbar muntere Therapiegruppe in ihre Villa ein. Da sitzen nun Schlaganfall Asbjorn, die vom Hals abwärts gelähmte Marte, ihr selbstgefälliger und -mitleidiger Mann Gard, die depressive, aber voll mobile Lillemor und Einheizerin und Therapeutin Tori – und versuchen, den verbitterten Geirr mit penetranter Fröhlichkeit zur Lebensfreude zu zwingen.

Doch der begrüßt die Truppe erst mal mit dem Feuerlöscher und schlägt Tori k. o., um sich abzureagieren. Nach und nach legen auch die anderen die heitere Fassade ab und treten in einen Wettstreit: Wer ist am schlechtesten dran? Vielleicht Marte: Sie schreit ihrem Mann entgegen, dass sie ihn hasst. Dann versucht sie verzweifelt, sich mit dem Rollstuhl von der hoch gelegenen Terrasse zu stürzen, aber die Schwelle ist zu hoch, die Räder blockieren. Soll man lachen? Oder weinen?

Immerhin: In Brad Breiens Debüt werden die Anstandsgrenzen so eben noch respektiert. Wenn Lillemor, von der Familie verlassen, den steifen Asbjorn für einen Quickie ins Bad rollt und dort im Eifer des Gefechts ihre Perücke verliert, ist das zwar heftig. Aber damit, dass Asbjorn sich aus eigener Kraft am Waschbecken in die Vertikale zieht und dort für den Rest den Filmes rollstuhlfrei verbleibt, darf der Zuschauer schon wieder vollends zufrieden sein.

Als „Feelbad“-Komödie will sich der mehrfach ausgezeichnete Film verstanden wissen, aber dafür wartet er mit zu viel schwarzem Humor auf. Für „Feelgood“ allerdings sind die Schicksale dann doch zu schwer. Wenigstens lieben sie sich, der Geirr und seine Ingvild! Dann wird ja alles gut. Martina Scheffler

Babylon Kreuzberg, Filmkunst 66, FT Friedrichshain, Kulturbrauerei; OmU in den Hackeschen Höfen

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