Komödie : Ein Algerier als Latin Lover

Regisseur Olivier Baroux will keine Gesellschaftskritik, sondern Unterhaltung um jeden Preis. Im Kino: Die Komödie "Fasten auf Italienisch".

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Seltsam, man sieht hier unentwegt südfranzösische Palmen, Sportwagen, Seidenhemden und wohlgenährte Menschen, ein bourgeoises Idyll also, aber vor Augen hat man brennende Vorstädte und Straßenschlachten. Dabei will Regisseur Olivier Baroux keine Gesellschaftskritik, sondern Unterhaltung um jeden Preis, wogegen nichts spricht, wenn’s funktioniert. Nur provoziert das Genre – nennen wir es Diskriminierungskomödie – gelegentlich Bilder aus der Gegenwirklichkeit.

„Fasten auf Italienisch“, im Original schlicht „L’ Italien“, erzählt von Dino Fabrizzi (Kad Merad), der in Nizza Maseratis verkauft, einen professionellen CiaoRagazza-Charme versprüht und jedes Wochenende nach Bella Italia jettet. Tatsächlich aber heißt er Mourad ben Saoud, stammt aus Algerien und gaukelt seinem Chef und der Freundin Hélène (Valérie Benguigui) den Latin Lover mit Eltern in Rom vor. Seine algerische Verwandtschaft in Marseille hingegen lässt er glauben, er mache in Italien Karriere.

Warum das alles? Weil Maghrebiens nun mal ein gewisses Imageproblem haben. Da hilft ein bisschen Identitätskosmetik. Wie Hauptdarsteller Kad Merad, in Algerien geboren und in Frankreich seit „Willkommen bei den Sch’tis“ ein Superstar, unlängst in einem Interview sagte: „Wenn du als Paolo eine Pizzeria betreibst, kommen einfach mehr Leute, als wenn du sie ,Trattoria da Rachid’ nennst.“

Das Konstrukt des energieintensiven Doppellebens gerät ins Wanken, als Mourads Vater erkrankt und den religionsfernen Sohn bittet, an seiner Stelle den Ramadan zu begehen. Mourad kauft sich „Islam für Dummies“ (so hätte eigentlich auch Thilo Sarrazin sein Buch nennen können) und beginnt das Fasten, wobei sich der Dino immer schwerer durchhalten lässt. Baroux und Merad, früher mal als Comedy-Duo unterwegs, ziehen diese Bredouille ganz amüsant auf. Bloß unterscheidet sich ihr Identitätsverwirrspiel nicht groß von Possen, in denen Männer sich als Frauen verkleiden oder umgekehrt. Aber die Sportwagen und die Palmen sind schön. Patrick Wildermann

Cinemaxx, Colosseum, Filmkunst 66, FT am Friedrichshain, Passage, TitaniaPalast; OmU im Babylon Kreuzberg

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