Kontroverse : Schlöndorff: "Defa-Filme waren furchtbar"

Der Regisseur Volker Schlöndorff verärgert viele seiner Kollegen mit harscher Kritik an Defa-Filmen. Im Kern verteidigt er trotzdem seine Aussagen.

Christiane Peitz
Schlöndorff Foto: dpa
In die Nesseln gesetzt: Regisseur Volker Schlöndorff.Foto: dpa

Als „Plausch auf seinem sonnengelben Sofa“ ist die Homestory in der „Märkischen Allgemeinen“ vom 2. Dezember untertitelt: Journalist besucht Oscar-Preisträger in seinem Potsdamer Haus am Griebnitzsee, und Regisseur Volker Schlöndorff erzählt fröhlich von seinem Jaguar (ein Geschenk von Max Frisch nach dem Dreh von „Homo Faber“), vom Marathon-Training (täglich zehn Kilometer), von Quentin Tarantino und Florian Henckel von Donnersmarck.

Als die Rede auf die Defa kommt, sagt der Mann, der von 1992 bis 1997 Geschäftsführer der Studios Babelsberg war und engagiert, aber vergeblich versuchte, den Mythos Babelsberg (Fritz Lang! Marlene Dietrich!) in die medienindustrielle Gegenwart des späten 20. Jahrhunderts zu transplantieren – etwas weniger Erfreuliches: „Den Namen ,Defa‘ habe ich abgeschafft, die Defa Filme waren furchtbar. Die liefen damals in Paris, wo ich studierte, nur im Kino der kommunistischen Partei. Wir sind da reingegangen und haben gelacht. Der Name musste weg. Bei der Defa hatte alles vor sich hingesuppt.“

"Pauschale Verurteilung und Verunglimpfung"

Der Protest folgte prompt. In einem offenen Brief der Defa-Stiftung und des Progress-Filmverleihs verwahren sich rund 120 Unterzeichner gegen die „pauschale Verurteilung und Verunglimpfung“. Das auch von Andreas Dresen, Armin Mueller-Stahl, Michael Gwisdek, Angelica Domröse, Hilmar Thate und oder Eva Maria Hagen unterzeichnete Schreiben listet neben Defa-Persönlichkeiten wie Wolfgang Kohlhaase, Frank Beyer, Katharina Thalbach oder Konrad Wolf auch Defa-Erfolge auf, von den Besucherzahlen (200 Millionen bis 2007) über Festivalteilnahmen bis zur New Yorker MoMA -Retro 2005. Man bewerte „die Äußerungen von Volker Schlöndorff daher als Zeugnis von Unkenntnis und mangelndem Respekt“. Inzwischen hat der 69-jährige Regisseur sich zwar nicht entschuldigt, aber in einem Schreiben an den Autor des Artikels, Lars Grote, relativierend angemerkt: „Alles, was ich über die Filme sagte, bezog sich auf diese Zeit, als in Paris die Nouvelle Vague herrschte, als aus Polen, Ungarn und Prag aufregende neue Filme kamen, nur wir Deutschen aus Ost und West noch im Stil der Fünfziger Jahre gefangen waren.“

"Doch hauptsächlich Mittelmaß"

Wer ihn kenne, werde einem Satz wie ,Die Defa-Filme waren furchtbar‘ auch den „entsprechenden Tonfall zuordnen, nämlich den der epischen Übertreibung.“ Dem Tagesspiegel sagte Schlöndorff: „Ich stehe dazu, dass es neben großartigen Defa-Filmen wie ,Ich war 19’, ,Spur der Steine’, ,Jakob der Lügner’, ,Der geteilte Himmel’ oder ,Solo Sunny’ doch hauptsächlich Mittelmaß gab und dass diese Filme im Westen ganz allgemein nicht wahrgenommen wurden und nicht nur von mir nicht.“

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