„Lila, Lila“ : Das Literatenrätsel

Klamaukig: „Lila, Lila“ – nach Martin Suters Roman. Verstrickungen und Lügen führen zu einer unübersichtlichen Dramaturgie.

Annabelle SeubertD D —

Wofür braucht man überhaupt einen Nachttisch? Für die Lesebrille? Wein? Schlaftabletten?

David Kern braucht ihn, um seinen künftigen Beruf zu rechtfertigen. Der junge Kellner rüttelt so lange an der Schublade seines neuerworbene Flohmarktmöbels, bis daraus ein altes Manuskript zu Boden fällt. Praktisch, dass der Roman nie veröffentlicht wurde. Praktisch auch, dass Davids Flamme Literatur studiert und „auf Schriftsteller steht“. Die logische Gleichung: Um einen Stapel Seiten einzuscannen, braucht es eine Nacht. Um den Namen des Autors durch den eigenen zu ersetzen, eine halbe Minute. Und um Marie zu beeindrucken, nur die Frage: „Möchtest du meinen Entwurf lesen?“

Eigentlich eine kluge Idee, Martin Suters Bestseller „Lila, Lila“ zu verfilmen. Schließlich gelingt es dem Roman fast auf filmische Weise, Perspektivwechsel und Figurenentwicklung mit erfrischender Situationskomik zu verweben, und die Parodie auf den Literaturbetrieb entfaltet sich ganz nebenbei. Regisseur Alain Gsponer aber stürzt sich mit sichtbarer Anstrengung auf das Vorhaben einer möglichst pointenreichen Komödie. Wo bei Suter durchaus tiefgehende Emotionen aufzuspüren wären, verkörpern Daniel Brühl und Hannah Herzsprung das Protagonistenpärchen bloß platt. Und die Geschichte bleibt im vordergründigen Plot stecken.

Schon prangt Davids vermeintlicher Debütroman in den Schaufenstern der Buchläden, und der gefeierte Schriftsteller liest in der Volksbühne. Wie passt dazu nur dieser Herr mit zerzaustem Haar, zu weitem Sakko und arg locker gebundener Krawatte? Immerhin: „Jacky“ (Henry Hübchen), der wahre Verfasser des nun so erfolgreichen Romans, beschert dem Film zum Glück etwas Schwung. Etwa, wenn sich der Herumtreiber das Frühstück im Hotel Adlon schmecken lässt und mit lässiger Handbewegung erklärt: „Mein junger Freund hier möchte zahlen.“

Bald jedoch führen Dreiecksbeziehung, Verstrickungen und Lügen zu einer reichlich unübersichtlichen Dramaturgie. Zusammen, nicht zusammen, Autor, nicht Autor, herzlich, nicht herzlich. Lustig? Nicht lustig.Annabelle Seubert



Cinemaxx, Cinestar, Colosseum, Filmkunst 66, FT Friedrichshain, Kulturbrauerei, UCI Kinowelt Friedrichshain, Yorck

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