Kino : Mann der Tat

Bewegtes Denkmal: Simon Wiesenthal im Porträt

Silvia Hallensleben

Zu seinem 90. Geburtstag hat er es seinen Feinden noch einmal gezeigt. Simon Wiesenthal hat ihn im Wiener Hotel Imperial gefeiert, dem Ort, wo es sich früher die deutschen und österreichischen Nazis gut gehen ließen. Es war ein Fest im großen Stil, eher ungewöhnlich für den bei aller Entschlossenheit bescheidenen Mann. Gerne wird er als Nazijäger bezeichnet, er selbst verstand sich nüchtern als Überlebender, der den Ermordeten zu Aufklärung verpflichtet war. Es war nicht Rache, sondern die Suche nach Gerechtigkeit, die Wiesenthals Tatkraft befeuerte. Gerechtigkeit gegenüber den Toten, darunter 89 Mitglieder seiner Familie – nur Ehefrau Cyla hatte die Verfolgung überlebt. Doch auch gegenüber den Tätern nahm es Wiesenthal mit der Wahrheit genau, berühmt ist seine Weigerung, in die Kriegsverbrechervorwürfe gegen Kurt Waldheim mit einzustimmen.

In seiner Wiener Wahlheimat wurde er erst spät gewürdigt. Auch als auf der Viennale nun das Filmporträt „Ich habe Euch nicht vergessen“ vorgestellt wurde, gab sich statt Vertretern aus Stadt und Staat der amerikanische Botschafter die Ehre. Was wohl auch daran liegt, dass der Film ein Projekt des in Los Angeles ansässigen Simon Wiesenthal Centers ist. Regisseur Richard Trank ist Hausautor der Medienabteilung des Centers, die regelmäßig Kinodokumentationen produziert und dabei mit prominenten Erzählern und geballtem Materialeinsatz eine eigene opulente Filmästhetik entwickelt hat.

Das dem 2005 verstorbenen Namensstifter gewidmete Filmdenkmal ist ein Stück offiziöser Geschichtsschreibung. Auch ästhetisch ist der im Original von Nicole Kidman und in der deutschen Fassung von Iris Berben erzählte Film von allen Brüchen befreit. Statt des Schnitts dominiert die Überblendung. Unter jeder Interviewpassage lauern schon die Streichorchesterklänge, ebenso werden verschiedene visuelle Ebenen übereinandergelegt. Obszön wird das dann, wenn hinter den gut ausgeleuchteten Zeitzeugen Bilder von verhungerten KZ-Häftlinge als Hintergrundillustration aufscheinen. Es liegt ausschließlich an der starken Persönlichkeit Simon Wiesenthals, wenn momentweise trotzdem Authentizität hervorblitzt. Man hätte ihm ein anderen Film gewünscht. Silvia Hallensleben

Broadway, Central, Eiszeit, FT am Friedrichshain

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