Maria, ihm schmeckt's nicht : Der Vater der Braut

06.08.2009 00:00 UhrVon Martin Schwickert
292147_0_e3fefaeb.jpg Foto: Constantin Film Verleih
Schmeckt's ihm. Christian Ulmen als Jan (links). - Foto: Constantin Film Verleih

Jan Weilers Bestseller „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ kommt heute als Filmversion ins Kino - mit Christian Ulmen in der Hauptrolle.

In Krefeld könnte ein Typ wie Jan als cool durchgehen. Immerhin fährt der niederrheinische Sachbuchlektor einen Karmann Ghia Cabrio und eine schicke deutsch-italienische Freundin hat er auch. Als eben jene Sara (Mina Tander) ihm einen Heiratsantrag macht, willigt er überrascht, aber frohen Mutes, ein. Eine standesamtliche Trauung im kleinen Kreis schwebt dem Bräutigam vor – bis er den Schwiegervater kennenlernt, den die Verlobte bisher vor ihm verborgen hat.

Papa Marcipane ist schon vom ersten Anblick eine Institution, so wie er aus seinem Sessel im Reihenhauswohnzimmer den Zukünftigen missbilligend taxiert. Jans über dreißig Lebensjahre mühsam zusammengespartes Selbstbewusstsein löst sich unter den Blicken des kugelrunden Patriarchen innerhalb weniger Sekunden rückstandsfrei auf.

Der italienische Volksschauspieler Lino Banfi spielt diesen Alptraum von einem Schwiegervater und er ist es, der Neele Leana Vollmars Culture-Clash-Komödie „Maria, ihm schmeckt''s nicht“ nach dem Bestseller von Jan Weiler vor dem Versinken in unterhaltsamer Belanglosigkeit bewahrt.

Der Schwiegervater, der in den Sechzigern nach Deutschland gekommen ist, verfügt eine Familien-Hochzeit in der italienischen Heimatstadt, die sich postkartengerecht an einen Berg schmiegt und für den deutschen Verlobten zum Alptraum wird. Als Bleichgesicht, Nichtschwimmer und Meeresfrüchteallergiker entspricht er nicht gerade südländischen Männlichkeitsidealen, aber auch das Gastgeberland wirkt mit ewig schwadronierender Sippe, übergriffigen Essenszeremonien und undurchschaubaren bürokratischen Vorschriften eher abschreckend auf das multikulturelle Eheprojekt.

Mit komödiantischer Wucht lässt Vollmar die Klischees aufeinanderprallen, was zu einem Feuerwerk kurzlebiger Pointen führt, bald jedoch als Nummernrevue endet. Als typisch deutsches Weichei scheint Christian Ulmen ideal besetzt, nur dass er sich als personifizierte Indifferenz seit seinem Auftritt in „Herr Lehmann“ schauspielerisch kaum weiterentwickelt hat. Noch blasser wirkt er im Kontrast zu Lino Banfi, der genau weiß, dass ein Komödiant nicht alle Geheimnisse seiner Figur preisgeben darf. Sein Papa Marcipane, der sich in Deutschland immer noch nicht und Italien längst nicht mehr zu Hause fühlt, ist der tragische Held in diesem Lustspiel. Seine Vergangenheit als Gastarbeiter im ausländerfeindlichen Nachkriegsdeutschland wird in ungelenken, weich gezeichneten Rückblenden abgehandelt. Dass das deutsche Kino zwischen burlesken und tragischen Elementen keinen humorvollen Weg findet – auch dieses Klischee belegt Vollmars unentschiedene MultiKulti-Komödie.

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