Matchball : "Liebe auf den zweiten Blick"

Frühling im Frühherbst: Jenseits der vierzig ist es nicht leicht, in Hollywood an gute Rollen zu kommen, selbst für eine so großartige Schauspielerin wie Emma Thompson. Männern geht es übrigens nicht viel besser. Seit vielen Jahren ist Dustin Hoffman nur noch in Nebenrollen zu sehen. Nicht freiwillig, wie er zugibt.

Sebastian Handke

Was tut man also? Man lässt sich was auf den Leib schreiben – von einem jungen, vielversprechenden, im besten Fall britischen Regisseur. Joel Hopkins’ zweiter Spielfilm „Liebe auf den zweiten Blick“ gibt Dustin Hoffman (71) und Emma Thompson (am Mittwoch 50 geworden) wieder Gelegenheit, sich ganz zu entfalten. Hoffman als tragikomischer Alltagsheld, Thompson als eine Frau, die sich an die sichere Enttäuschung so sehr gewöhnt an, dass sie das unsichere Glück schon gar nicht mehr will.

Eigentlich wollte Harvey Shine (Dustin Hoffman) Jazzpianist werden. Jetzt schreibt er Werbe-Jingles für eine Agentur in Manhattan und wird auch diesen Job wohl bald verlieren. Zur Hochzeit seiner Tochter in London wird er geladen wie ein ungebetener Gast. Er reist vorzeitig ab, verpasst den Flieger und trifft am Flughafen auf Kate Walker (Emma Thompson). Ihr Leben ist von undankbarer Arbeit, demütigenden Dates und dem Telefonterror ihrer Mutter geprägt. Zwei einsame Menschen, die schon eine lange Strecke hinter sich haben. Sie stecken fest. Und brauchen einen neuen Funken, um sich wieder frei zu schwimmen.

Es ist eine recht dünne Geschichte, die Regisseur Joel Hopkins hier erzählt, sehr vorhersehbar und ohne Scheu vor Klischees und komfortablen Zufällen. All das verzeiht man dieser warmherzigen Komödie aber gern. Es macht einfach Freude, die beiden beim langsamen Näherkommen zu beobachten; wie sie forsch werden, zurückschrecken und dann doch den Mut aufbringen, ein neues Leben zu wagen. Dustin Hoffman und Emma Thompson nehmen ihre Aufgabe erfreulich ernst – und agieren doch wie große Sportler beim Freundschaftsspiel. Man hat Spaß, lässt sich den Spaß ansehen und spielt sich dabei so die Bälle zu, dass der andere auch eine gute Figur macht.

In 14 Kinos; Originalfassung  im Cinestar SonyCenter, OmU im Odeon

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben