Midlife-Crisis-Komödie : Sex mit der Ex

„Wenn Liebe so einfach wäre“ – Nancy Meyers amüsiert sich über Männer in der Lebensmitte. Alec Baldwin und Meryl Streep spielen ein Ex-Ehepaar, das eine eine Affäre miteinander anfängt.

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Foto: UniversalUniversal Studios

Pilates, eine Gymnastikart, bei der sämtliche Übungen mit angespannter Bauch- und Beckenboden-Muskulatur absolviert werden, gilt nicht nur als extrem wirkungsvolle Methode, Kraft und Körperspannung zu trainieren, sondern hat auch noch andere erfreuliche Effekte: „Dein Pilates zahlt sich aus“, strahlt der Anwalt Jake (Alec Baldwin), nachdem er betrunkenen, wilden Sex mit seiner Ex-Frau Jane (Meryl Streep) hatte, von der er seit zehn Jahren geschieden ist. Bei ihrer 20 Jahre jüngeren Nachfolgerin läuft es nicht so glatt. Sie will zwar ein Kind mit ihm, wird jedoch nicht schwanger und schickt ihn zur Sperma-Analyse, wie Jake seiner alten, neuen Liebe bekümmert berichtet.

Kein Wunder, dass er gern auf Jane zurückkommt: Alles ist bekannt und doch wunderbar neu; er muss weder den Bauch einziehen noch das Kinn heben, um jünger zu wirken. Falten, Speckrollen und Augenringe, die nicht zu missdeutenden Vorboten fortgeschrittenen Lebensalters, braucht er vor seiner Ex nicht zu verstecken – und umgekehrt. Das getrennte und wieder neu zusammengesetzte Paar, die Helden in Nancy Meyers’ neuer Komödie, findet einigen Gefallen an einer Affäre, die sie nicht nur vor Jakes junger Ehefrau, sondern auch vor den gemeinsamen Kindern geheim halten müssen. Alec Baldwin kriegt dabei das Kunststück hin, seinen Jake gleichzeitig eitel und selbstironisch wirken zu lassen. So berichtet er Jane über Elternabende – seine Frau hat schon einen kleinen Sohn –, bei denen die meisten Anwesenden bereits seine Kinder sein könnten, oder über die entwürdigenden Prozeduren, denen er sich zum Zweck der Fortpflanzung unterziehen muss. Und Meryl Streep ist eine zur Zappeligkeit neigende Jane – warum müssen Frauen jeden Alters im Hollywood-Kino immer zappeln, wenn sie verliebt sind? –, die jedoch ihren Pragmatismus nicht vergisst und auch nicht, dass ihre Ehe nicht ohne Grund geschieden wurde.

„Wenn Liebe so einfach wäre“ ist ein wunderbarer Film für Männer in der Krise, in der sie sich ab Mitte 40 gern mal für zehn Jahre befinden. Man sollte Sondervorführungen für diese Klientel einrichten – mit Buddy-Rabatt und FlensVerköstigung. Alec Baldwin jedenfalls, ein wenig aufgedunsen, ramponiert und verlangsamt, lebt das gesamte Leid der Midlife-Crisis aus, ohne an Haltung zu verlieren – und wird dabei immer sympathischer.

In 23 Kinos; OV Cinestar SonyCenter

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