Nachruf : Pete Postlethwaite: Der Kantige

Meistens spielte Pete Postlethwaite eine Nebenrolle. Das allerdings machte er so beeindruckend, dass er manchmal sogar in den Vordergrund rückte. Jetzt ist der Schauspieler im Alter von 64 Jahren gestorben.

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Pete Postlethwaite.
Pete Postlethwaite.Foto: picture alliance / dpa

Die paar Geschichten voller Eigensinn, die über ihn kursieren – irgendwie passen sie zu den Knarzkopfrollen, die er immer wieder spielte. Als Steven Spielberg ihn zum Vorsprechen für „Jurassic Park“ lud, da sagte er mit dem knappen Hinweis ab, er sei soeben Vater geworden. Na, da bekam er die Rolle des wilden Großwildjägers Roland Tembo eben auch so. Oder: Als er, schon über 40, vom ernsthaften britischen Theater zum teils ernsthaften gesamtangelsächsischen Film wechselte, da legte ihm ein Agent vorsichtig nahe, vielleicht besser den Namen zu wechseln. Na, da wechselte Pete Postlethwaite mal eben den Agenten.

Ungewöhnlicher Name, ungewöhnliches Gesicht: Höchst einprägsam waren sie alle beide. Pete Postlethwaite, 1946 als Arbeitersohn im britischen Warrington geboren und einer der großen Nebendarsteller des Kinos, frappierte durch kernige Hässlichkeit: puterrote Gesichtshaut voller Furchen und Narben, und mittendrin die wohl vorstehendsten Wangenknochen der Welt. Postlethwaite trug seine Erscheinung mit Würde und spielte sich damit – oscar-nominiert als inhaftierter Vater in Jim Sheridans „Im Namen des Vaters“ – 1993 stracks in den Film-Olymp.

Sein stärkster Auftritt aber ist mit einer Fast-Hauptrolle verbunden: als Kohlengrubenblasorchesterdirigent Danny in Mark Hermans „Brassed Off“ (1996). Da spielte er einen, der Ehrgeiz und Härte zuerst gegen sich selbst bewies: tapfere Tarnung für ein großes Herz. Aber er spielte auch Gangster („Die üblichen Verdächtigen“), Offiziere („Der letzte Mohikaner“), Ritterknappen („Dragonheart“) und von „Aeon Flux“ über „Das Omen“ bis „Inception“ im massenwirksamen Weltkino so ziemlich alles, was einen kantigen Charakterkopf erforderte.

Unbeugsam hielt er sich auch gegen den Krebs, der ihn seit Jahren peinigte. Und unermüdlich wirkte er in neuen Produktionen mit – zuletzt im spanischen Historienfilm „The King Conqueror“. Am Sonntag ist Pete Postlethwaite in Bishop’s Castle in der Grafschaft Shropshire gestorben.

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