Neu auf DVD : Nostalgischen Redseligkeit

Dokumentarfilm auf DVD: "Che Guevara. Rise and Fall"

Christina Tilmann

Am 14. Juni wäre er 80 Jahre alt geworden, am 9. Oktober 1967 ist er hingerichtet worden. Für manche lebt er ewig. Zum Beispiel für die älteren Herren von Che Guevaras „Ehrengarde“, die sich immer noch wehmütig der schönen alten Zeiten erinnern. Der in den USA lebende argentinische Regisseur Eduardo Montes-Bradley hat für seine Che-Guevara-Dokumentation drei von ihnen noch einmal vor die Kamera geholt – der vierte, der Landarbeiter Hermes Pena Torres, kam 1964 bei dem Versuch, einen Guerillaaufstand anzuzetteln, in Argentinien ums Leben. Die anderen drei Veteranen diskutieren dafür umso angeregter: Darüber, dass es ein Fehler von Che war, in den Kongo zu gehen, darüber, wie schön es war, mit den gestohlenen Revolutionsautos Spritztouren zu unternehmen – und darüber, dass sie Che im Stich gelassen hätten, als der sich 1966 entschloss, nach Bolivien zu gehen – wo er 1967 nach seiner Gefangennahme hingerichtet wurde.

Das ist in der nostalgischen Redseligkeit, mit der die drei alten Herren von ihrer großen Zeit schwärmen, zum Teil recht anrührend, wenn auch ermüdend – wirklich informativ ist es nicht. Nicht nur, dass Regisseur Montes-Bradley die Interviewszenen immer wieder mit den gleichen wenigen Schwarzweißfotos und historischen Filmaufnahmen gegengeschnitten hat, er verzichtet auch fast völlig auf Einordnung, Erklärung oder Hintergründe. Das gilt auch für die deutlich aufschlussreicheren Interviews mit Che Guevaras Jugendfreund, dem argentinischen Arzt Alberto Granados. Mit ihm hatte der junge Ernesto 1954 die berühmte Reise durch Südamerika unternommen, die ausschlaggebend sein sollte für seine Entscheidung, dem bürgerlichen Leben den Rücken zu kehren. Wer über diese Reise mehr erfahren will, sei auf Walter Salles’ schönen Spielfilm „Die Reisen des jungen Che“ von 2004 verwiesen. Nicht immer ist der Dokumentarfilm die bessere Quelle.


DOKUMENTATION Che Guevara. Rise and Fall. Regie: Eduardo Montes-Bradley. Edel motion, 2007, 18,99 Euro

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