Neu auf DVD : Sex ist nicht alles

"Sex and Death 101“ gibt es hierzulande nur auf DVD. Doch schlechter als die meisten US-Komödien, die in unseren Kinos zu sehen sind, ist der Film wirklich nicht.

Karl Hafner

KOMÖDIE Sex and Death 101 Regie: Daniel Waters (Koch Media) Sex mit über hundert verschiedenen Frauen – für die meisten Männer wäre das wohl die erste Definition für „erfülltes Sexualleben“. Der hippe Roderick Blank (Simon Baker) sieht das in der Komödie „Sex and Death 101“ ähnlich, und er hat die Sicherheit, dass er diese Frauen auch bekommt. Eine E-Mail, die der vernünftige Mensch aus Angst vor Computerviren sofort löschen würde, liegt in seiner Mailbox, kurz vor seiner geplanten Hochzeit. Die Mail enthält 101 Frauennamen: Es ist eine Liste aller Frauen, mit denen Roderick in seinem Leben bereits Sex hatte – oder haben wird. Auf die Namensaufstellung ist Verlass, ohne Wenn und Aber, genau in der Reihenfolge. Heiraten kann Roderick da natürlich nicht gleich die Nummer 26. Doch wozu ein schlechtes Gewissen, wenn die nächste Frau auf der Liste ein Playmate ist?

Regisseur Daniel Waters hat sich Meriten bisher vor allem als Co-Autor verdient, etwa für „Demolition Man“ mit Sylvester Stallone oder Tim Burtons „Batmans Rückkehr“.1989 zeichnete er für das Drehbuch zur garstigen HighschoolKomödie „Heathers“ mit Christian Slater und Winona Ryder verantwortlich. Beide waren damals noch keine großen Namen im Filmgeschäft. Ins Kino schaffte es „Heathers“ bei uns nie. In Videotheken wurde der Film dagegen zum Geheimtipp. Winona Ryder ist auch in Waters’ neuem „Sex and Death 101“ zu sehen: als männermordende Unbekannte, die von Bett zu Bett springt und von Mann zu Mann.

Schade, auch „Sex and Death 101“ gibt es hier nur auf DVD. Doch schlechter als die meisten US-Komödien, die in unseren Kinos zu sehen sind, ist der Film wirklich nicht. Aus der schwarz-komödiantischen Ausgangssituation bastelt Waters reichlich schlüpfrige Irrungen und Wirrungen: Nicht unwahrscheinlich zum Beispiel, dass zwei Frauen den gleichen Namen haben. Hübsche Tochter und scheußliche Mutter etwa. Oder: Man kann Namen verwechseln oder sich täuschen im biologischen Geschlecht.

Sogar ein bisschen Tiefsinn geht mit all der Heiterkeit einher: Hat der Mensch Einfluss auf sein Schicksal, wenn er es schon kennt? Und wenn ja, wie viel Steuerungskraft bleibt ihm? Roderick jedenfalls geht beherzt zur Sache, die Namensliste bei der Hand. Andere mögliche Bekanntschaften schlägt er aus – mit denen liefe ja eh nichts, auch wenn er sich ein Bein ausrisse. Wirklich glücklich wird er so allerdings nicht. Und so gerät die sich selbst erfüllenden Frauenliste doch eher zum Fluch als zum Segen.

Merke: Auch Komödien, vor allem amerikanische, sind moralische Anstalten. Sex ist nicht alles. Es muss auch Platz für die Liebe geben. Karl Hafner

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