Neu auf DVD : Thriller und Zombie-Saga

"The Walker" und "Diary of The Dead" haben es nicht in deutschen Kinos geschafft - zu Recht? Jetzt sind die Filme auf DVD erschienen.

Karl Hafner

Ich bin nicht naiv, ich bin nur oberflächlich. So charakterisiert sich Carter Page III selbst in Paul Schraders The Walker (Ascot Elite) von 2007. Carter ist ein Homosexueller mit feinsten Manieren, ein neuer American Gigolo, ein sogenannter Walker, der die Damen der Washingtoner Politgesellschaft zu Society-Anlässen begleitet, wenn deren Männer keine Zeit haben. Mit insgeheimer Verachtung wird das akzeptiert. Eine sexuelle Gefahr für die Alpha-Männer besteht schließlich nicht. Doch natürlich ist jemand wie Carter der ideale Sündenbock, wenn es hart auf hart kommt. Eine der Damen findet ihren Liebhaber ermordet in seiner Wohnung. Carter wird der Polizei erklären, er habe den Toten gefunden, und macht sich zum Hauptverdächtigen – um seine Freundin und ihren Politiker-Ehemann vor dem gesellschaftlichen Ruin zu schützen.

Was wie eine klassische Thriller-Handlung aussieht, interessiert Schrader gar nicht so sehr. Er zeigt die Mechanismen der gesellschaftlichen Ausgrenzung Carters, die rigorose Reetablierung des schönen Scheins. Langsam und mit eiskalter Höflichkeit schließen sich für Carter alle Türen in Washington. Plötzlich will niemand mehr Zeit haben für ein Gespräch, vielleicht nächste Woche wieder. Aalglatt wird abgeurteilt in geschliffenen, scheinbar beiläufig geäußerten Floskeln. Und schön langsam offenbart sich der homophobe Charakter dieser Welt, in der zur Not auch wirklich zugeschlagen wird. Natürlich ist vieles auf die Bigotterie und Brutalität der Bush-Administration bezogen. Vielleicht kam der Film deshalb bei uns nicht in die Kinos.

Ebenfalls nicht in die deutschen Kinos schaffte es 2007 George A. Romeros fünfter Teil seiner Zombie-Saga Diary of The Dead (Universum). Vielleicht lag es in diesem Fall an der spröden Machart des Films. In Form eines Videotagebuchs des Filmstudenten Jason zeigt Romero den Ausbruch einer Zombie-Pandemie. Eine Gruppe Menschen will einfach nur überleben, während Jason der Welt auch noch die „Wahrheit“ mitteilen und eine Dokumentation des Überlebenskampfes im Internet veröffentlichen will. Er filmt sogar dann, wenn er anderen Menschen helfen müsste – wie ein Kriegsfotograf. Denn nur das Dokumentierte gilt ihm als geschehen, alles andere bleibt fragwürdig.

Vordergründig erzeugt diese rein subjektive, immer involvierte Perspektive einen mittlerweile bekannten Blairwitch-Horroreffekt, der besonders wahrhaftig sein will, und doch zielt diese Methode hier auf das genaue Gegenteil ab. Erleben gilt hier nur noch durch den Filter eines Kameraobjektivs. Zwar mögen hier die Mainstream-Medien lügen und die Katastrophe herunterspielen, doch auch die einst erhoffte revolutionäre Kraft des Internets verpufft in einem Rauschen aus Informationen ohne Autorität. Eingangs erklärt die Voice-Over-Stimme dieses fiktiven Dokumentarfilms, sie habe Musik unterlegt, um den Zuschauern die dem Thema gebührende Angst einzujagen. Und am Ende findet der fiktive Film zu seiner Moral – durch eine Montage aus fremden Videoschnipseln aus dem Internet. They are us, heißt es hier wieder, wie so gerne in den Filmen Romeros: der ewige Konflikt zwischen Individuum und Masse Mensch. Die Zombies, das sind wir. Daran ändern bei Romero auch die neuen Medien nichts.

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