Kino : NEU AUF DVD

Julian Hanich

2 TAGE IN PARIS Regie: Julie Delpy (erschienen bei EMS) – Kommen Sie sich eigentlich auch wie im Frühstadium geistiger Umnachtung vor, wenn Sie alleine auf dem Sofa eine Komödie ansehen – und dann schallend ins Wohnzimmer hineinlachen? Das Lachen ist fraglos eine der schönsten Formen der Kommunikation. Allerdings wagt man sich mit lautem Gelächter alleine tief hinein ins Grenzgebiet der Schizophrenie: Der Kerl, dem ich gerade meine Belustigung mitteile – das kann ja nur ich selber sein! Man hat sich also seine Portion Spaghetti gekocht, die Kekse bereitgelegt und die DVD geschmeidig ins Innere des Gerätes gleiten lassen. Und dann beginnt „2 Tage in Paris“, und man kann gar nicht anders, als sich selbst ständig aufs Neue zu versichern: Verdammt, diese überdrehte Komödie ist echt zum Schreien!

Marion (Julie Delpy) und Jack (Adam Goldberg) schauen auf ihrem Heimweg von Venedig nach New York für zwei Tage in Marions Heimatstadt Paris vorbei. Das stellt sich leider als weniger gute Idee heraus. Denn Jack – ein Nanni-Moretti-Typ mit Moritz-Bleibtreu-Blick – spricht erstens kein Französisch. Zweitens ist er ein eingebildeter Kranker von molierischem Format, der husch-husch unter die Decke nach New York gehört. Und drittens hat Marion in ihrer Vergangenheit außer ein paar Clochards offensichtlich alles mit ins Bett genommen, was recht und willig war – weshalb Jack ständig wie ein Volldepp dasteht. Wir, die sadistischen Zuschauer, erfreuen uns natürlich an Jacks Pein, feixen über die Überschallgeschwindigkeitsdialoge, kichern über die selbstironisch zur Schau gestellten Frankreichklischees …

… und staunen über Julie Delpy. Wenn es je einen Autorenfilm gegeben hat, dann diesen. Abgesehen vom Catering und dem Stuntdouble hat Julie Delpy jede halbwegs schöpferische Aufgabe selbst übernommen. Sie ist Regisseurin, Hauptdarstellerin, Autorin, Cutterin, Koproduzentin. Und die Filmmusik hat sie auch noch komponiert. Diese ist übrigens der Special-Edition als CD beigelegt. Dazu kommen Trailer, nicht verwendete Szenen und eine bizarre Videoaufzeichnung der deutschen Premiere in Essen. Auch diese kuriose Dreingabe hat Momente, bei denen man nicht anders kann als laut loszulachen. Alleine im Wohnzimmer. Julian Hanich

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