Kino : NEU AUF DVD

BRESSON-DOPPEL Der Prozess der Jeanne d’Arc, Das Geld (alamode film) „Die Möglichkeit einer zukünftigen Bresson-Schule versetzt selbst wohlwollende Beobachter in Schrecken“, soll der selbst eher unter die Wohlwollenden zu zählende François Truffaut einmal gesagt haben. Das ist schon ein Weilchen her und längst von der Filmgeschichte widerlegt. Zumindest in Deutschland dürften die meisten Kinozuschauer mit dem Schaffen von Robert Bresson nur über den Umweg jener Filmemacher in Kontakt gekommen sein, die seine präzise und nüchterne Inszenierung existenzieller Fragestellungen durch Nachahmung ehrten. So unterschiedliche Charaktere wie Jean- Luc Godard und Hal Hartley, Paul Schrader und Aki Kaurismäki gehören zu diesen Adepten – von den zahlreichen Bresson-Affinen der jungen deutschen Filmemacher seien hier nur Angela Schanelec und Thomas Arslan genannt. Bresson war ein director’s director, wie man so schön auf Englisch sagt. Für jeden Liebhaber des Autorenkinos ist das erste Kennenlernen seiner Filme daher ein echtes Aha-Erlebnis – selbst Michael Hanekes mitunter arg moralinsaure Geschichten erscheinen plötzlich in weitaus brillanterem Licht, wenn man sie etwa durch die Brille von Bressons Spätling „Das Geld“ (1982) betrachtet, einem pastellfarben düsteren Meisterwerk lakonisch reduzierter Erzählweise. Erweiterte Bildung und das dadurch ermöglichte Entdecken von Bezügen steigert eben auch im Kino den Genuss. Doch auch für sich ist der 1999 gestorbene französische Außenseiterregisseur eine ausführliche Besichtigung wert. Mit „Das Geld“ und dem 1962 erschienenen und auf Originalprozessakten beruhenden „Der Prozess der Jeanne d’Arc“ bringt der Alamodefilm-Vertrieb unter dem Label „Pierrot le Fou“ nun zwei nicht nur in ihrer Entstehung weit voneinander entfernte Filme Bressons heraus. Wobei die Kombination eher dem Zufall geschuldet scheint; auf der Doppelbox jedenfalls fehlt jeder Hinweis auf ein editorisches Konzept. Überhaupt wird der Käufer hier – abgesehen von Werbezitaten und Kurzzusammenfassungen – extrem kurz gehalten, selbst das erhoffte Booklet entpuppt sich als Werbeprospekt. Einziges Bonusmaterial ist der Trailer zu dem nicht im Set enthaltenen Bresson-Film „Pickpocket“: nicht mehr als ein hübscher Gag also, der immerhin nahelegt, auf eine ursprungsfranzösische und deutlich liebevoller zusammengestellte Edition aus dem Hause „mk2“ mit drei Bresson-Filmen hinzuweisen. Sie enthält neben den beiden hier vorhandenen Filmen und viel informativem Beiwerk auch „Pickpocket“ – komplett. Allerdings muss man dafür gleich das Doppelte hinlegen. S. H.

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