Kino : NEU AUF DVD

Elisabeth Scherrer

BYE BYE BLACKBIRD Zirkusfilm von Robinson Savary (neuevisionen/goodmovies) Ein besonderes, mitunter absonderliches Debüt: Robinson Savary setzt ganz auf prächtige, aber auch prahlerische Ästhetik – mit raffiniert und sorgfältig ausgearbeiteten Bildern aus der Welt des Zirkus, die er als Sohn des „Grand Magic Circus“-Begründers Jérôme Savary ausgezeichnet kennt. Anfang des 20. Jahrhunderts: Der junge Arbeiter Josef (James Thiérée) verliebt sich in Alice (Izabella Miko), die Akrobatin eines Wanderzirkus. Aus Leidenschaft für Alice und das Zirkusleben wird Josef Trapezkünstler und studiert mit Alice eine zauberhafte und sinnliche, aber auch lebensgefährliche Trapeznummer ein. Für diese Liebesgeschichte zwischen Himmel und Erde arbeitet Savary geschickt mit Anspielungen von Max Ophüls’ „Lola Montes“ über Tod Brownings „Freaks“ bis zu Fellini und Wenders – zudem weckt der glänzend agierende James Thiérée, Enkel von Charlie Chaplin, die Erinnerung an „Rampenlicht“. Faszinierend die perfekte Technik und Ausstattung, stimmig die Kostüme und Choreografien – und doch überschatten die großen Vorgänger diese Hommage an den Stummfilm; zudem wirkt deren Farbpalette wie die Grundierung der Kafka-Erzählung „Erstes Leid“, auf die sich Regisseur und Autor Savary ausdrücklich bezieht. Schade, dass die Story über Archetypen kaum hinauskommt: die durch den Tod auseinandergerissenen Liebenden, der tyrannische Zirkusdirektor, seine in den Helden hoffnungslos verliebte Adoptivtochter und der weise Clown (Michael Lonsdale). Obwohl die Schauspieler sichtlich ihr Bestes tun, vermögen ihre Charaktere nicht wirklich zu berühren, und irgendwann wirkt sogar der Leidenschaftswahn des Paars selber unwirklich und körperlos. So geht „Bye Bye Blackbird“ nicht ans Herz, sondern bleibt pures Vergnügen für die Augen. Elisabeth Scherrer

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