"Nichts als Gespenster" : Viele Nuancen eines Gefühls

Aufgeregt stellt eine junge Schauspielerin der besten Freundin ihre neue Liebe vor. Doch kaum hat sie ihr den Rücken zugekehrt, beginnt die Freundin bereits eine heimliche Affäre mit dem Mann. In der Beziehungskomödie "Nichts als Gespenster" glänzen Jungstars wie Jessica Schwarz oder August Diehl.

Birgit Heidsiek[dpa]

Hamburg Währenddessen bemerkt ein deutsches Paar in der amerikanischen Wüste, dass es nichts mehr miteinander zu tun hat, und eine deutsche Touristin auf Jamaika tauscht lüstern-stolze Blicke mit einem Einheimischen. Mit der Beziehungskomödie "Nichts als Gespenster" bringt der deutsche Nachwuchsautor und -regisseur Martin Gypkens jetzt den gleichnamigen Bestseller von Judith Hermann auf die Kinoleinwand.

In fünf parallel erzählten Handlungssträngen schickt Gypkens seine Protagonisten auf unterschiedliche Reisen, die jeweils von der Suche nach Liebe geprägt sind, von Unsicherheit und einer Scheu vor Verantwortung. "Die Probleme und Sehnsüchte der Figuren sind sehr ähnlich", sagt der Regisseur, der in diesem Kinofilm die Karibik-Episode aus Judith Hermanns erstem Buch "Sommerhaus, später" mit vier Geschichten aus ihrem 2003 erschienenen Bestseller verknüpft. Dabei wählte er einen ähnlichen Ansatz wie die Buchautorin, um zu erklären, was in den Figuren vorgeht. "Ich habe versucht, mit Hilfe der Handlungen und Bilder die Seelenzustände der Protagonisten abzubilden", erläutert Gypkens. "Mein Ziel war, diese fünf Geschichten durch die Parallelität zu einer Reise verschmelzen zu lassen, die fünf Nuancen von einem Gefühl liefert."

Logistisches Kunststück der Produktion

Da die verschiedenen Episoden parallel in Island, Venedig, Deutschland, den USA sowie in Jamaika gedreht wurden, gestaltete sich der Film als ein logistisches Kunststück für die Produktion. Sowohl die Produzenten Andreas Eicher, Rolf H. Hammerstein und Michael Heiks von der Berliner box!Film als auch Gypkens waren gefordert, möglichst an mehreren Orten gleichzeitig präsent zu sein. "Während das Casting für den Amerika-Part erfolgte, liefen parallel dazu die Dreharbeiten in Venedig und in Deutschland wurde bereits die nächste Episode vorbereitet", berichtet Eicher. "Es gab Zeiten, in denen wir an allen fünf Orten aktiv waren."

Als sehr aufwendig gestaltete sich zudem das Casting der mehr als ein Dutzend Hauptdarsteller. "Es ist schwieriger, ein Ensemble zu besetzen", erklärt der Regisseur, "weil dafür viele Figuren benötigt werden, die weniger Raum auf der Leinwand erhalten als in einem Film mit zwei Hauptpersonen." Aus diesem Grunde suchte Gypkens Darsteller, die sehr schnell Präsenz zeigen. Zu den seinen Schauspielern gehört eine ganze Riege junger deutscher Stars wie Maria Simon, August Diehl, Jessica Schwarz, Janek Rieke, Fritzi Haberlandt, Stipe Erceg oder Wotan Wilke Möhring.

Leidensdruck der Protagonisten

In "Nichts als Gespenster" entfaltet Gypkens in schönen, atmosphärischen Kinobildern verschiedene Beziehungsgeflechte, die nur durch ihre emotionale Spannung miteinander verbunden sind. Die einzelnen Geschichten bleiben dabei jedoch zu flach und vordergründig, um den Zuschauer wirklich zu berühren. Der Leidensdruck der Protagonisten, die sich bei ihrer Suche nach Liebe symbolträchtig auf eine Reise begeben, ist am Ende genauso ins Leere verpufft wie die Gespenster, welche eine Geisterjägerin in der Wüste von Nevada stolz auf ihren Fotos präsentiert. (mit dpa)

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